Pompeji

 

Denkt man an Italien, hat man vermutlich zuallererst Rom im Kopf, dann die Toskana vermutlich und andere größere Städte. Wenn es auch also nicht so populär ist, wie viele andere Stätten hier, wird trotzdem so gut wie jedem ein Bild zu Pompeji einfallen, der Stadt, der der Vesuvausbruch im Jahre 79 zum Verhängnis wurde und trotzdem gerade deshalb auf ewig bekannt sein wird. Selbst Auftritte im LTB (Lustiges Taschenbuch für Laien, also Donald Duck) gab es, Farin Urlaub soll sein Lied „Bewegungslos“ aus Inspiration vom Anblick eines versteinerten Paares in dieser Stadt geschrieben haben.

 

Während die Stadt selbst, Pompeji ist wesentlich mehr als lediglich das historische Pompeji, das heutzutage eine archäologische Ausgrabungsstätte ist, wie jede andere Stadt auch, jedem frei steht zum Erkunden, kostet die Besichtigung des Pompejis, das man als Nicht-Italiener als einziges Pompeji kennt und meint, wenn man über diesen Ort spricht, Eintritt. Da ich aber nicht ich wäre, wenn ich diesen Eintritt tatsächlich zahlen würde, habe ich mich etwas umgesehen und durfte mich einer deutschen Reisegruppe anschließen, um die Stätte zu betreten. Et voilà, Pompeji steht mir offen.

 

Zu Pompeji gibt es mehrere Eingänge. Ich habe den Haupteingang genommen, nahe des Amphitheaters. Da nicht nur die antike Stadt umschlossen ist, sondern auch ein kleiner Teil des alten Umlands mit zum Areal gehört, schreitet man zuerst durch eine recht offene Landschaft mit ein paar kleinere Bauten, bevor man zum Theater und einer großen Villa kommt. Dahinter schließt sich ein Weingut an (neu angelegt, aber die historische Rebe aus Zeiten der Römer) und einige Häuser. Alles sehr schön und sehr nett, aber dafür, dass ich eine richtige Stadt erwartet habe, doch sehr klein. Wenn man nicht weiß, dass der Haupteingang am (ehemaligen) äußersten Stadtrand liegt und man um selbst diesen zu erreichen schon einiges an Weg zurücklegen muss, erscheint die vermeintlich geringe Größe des Areals also durchaus erstmal enttäuschend. Wenn man dann aber doch endlich den Weg in die Stadt selbst gefunden hat... Ich fasse die Größe Pompejis mal so zusammen: ich bin morgens als einer der ersten hinein, abends als einer der letzten gegangen, war den ganzen Tag nonstop unterwegs und bin trotzdem nicht sicher, ob ich jetzt doch alles gesehen habe.

 

Von manchen der Häuser sind nicht mehr als ein paar Steine übrig, manche sind noch nahezu vollständig und die ganzen Stadt ist erhalten. Marktplatz, Geschäfte, Villen, Therme, Tempel und alles, was dazu gehört, selbst antike Graffiti und inklusive Friedhof am Stadtrand. Gut integriert sind die verschiedenen Ausstellungen, allesamt mehrsprachig, und dank der gelegentlichen Wegweiser findet man sich grundsätzlich wunderbar zurecht. Mehr oder weniger zufällig bin ich sogar hinter den Kulissen gelandet. Man darf sich in Pompeji grundsätzlich sehr frei bewegen und nur wenig ist abgesperrt. Folgt man einem der kleineren Wege (und klettert vielleicht ein kleines bisschen), findet man sich an einer Stelle dann aber plötzlich in einem der ansonsten abgesperrten Areale wider. Es sieht dort nicht anders aus als an den anderen Orten, ich weiß also nicht, warum genau es abgesperrt ist, aber so ganz grundsätzlich ist es schon nett, wo zu sein, wo sonst eigentlich niemand hinkommt.

 

Wofür Pompeji bekannt ist und was man auch wirklich sehen sollte, wenn man dort ist, sind die versteinerten Menschen. 79 von Vulkanasche bedeckt und in der Pose festgehalten, Menschen jeden Alters und selbst Haustiere wie Hunde. Viel zu sagen über etwas, zu dem schon sehr viele was gesagt haben, gibt es nicht mehr, ich verweise aber hier, wie zu ganz Pompeji, gerne auf die Bilder, die viel der alten Römerstadt zeigen.

 

 

 

Nachdem Pompeji, die Ausgrabungsstätte, geschlossen hat, bin ich durch Pompeji, die heutige Stadt, flaniert, habe zu Abend gegessen und mir überlegt, wo ich die heutige Nacht verbringen könnte. Am Park beim Marktplatz habe ich am Morgen bereits Bekanntschaft mit den hiesigen Carabinieri gemacht – ich musste den Campingplatz sehr früh verlassen, noch bevor die Archäologische Zone öffnet, weshalb ich meine Hängematte dort aufgespannt und recht bald darauf von zwei netten Polizisten kontrolliert und darauf hingewiesen wurde, dass Hängematten dort nicht erlaubt sind –, ich wusste also, dass der Park mir nicht weiterhelfen würde, weshalb ich mein altbewährtes Schild herausgeholt und gewartet habe. Nicht allzu lange allerdings, da ich ziemlich schnell von einigen Studenten angesprochen wurde und Andrea mich zu sich eingeladen hat. Da mir seine Eltern sogar extra einen Zettel mit den Namen der Familie gegeben haben, damit ich bloß niemanden zu erwähnen vergesse, ich habe den Abend also mit seinem Vater Salvatore, seiner Mutter Teresa, seinen beiden Brüdern Paride und Catello – sein anderer Bruder Enea weilt gerade in Mailand – und ihm verbracht und erwarte gespannt den mir für morgen sofort versprochenen Ausflug nach Sorrento.

 

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