Aufgrund der Kürze kein sehr aussagekräftiges Zitat, aber wenn ich dazu sage, dass ich heute in Venedig eine gewisse Kirche gefunden habe, im Film umgewandelt zur Bibliothek, mit drei Paaren
römischer Ziffern darin, könnte man durchaus auf den Film kommen. Da ich aber nicht vorgreifen möchte und dir dafür gleich noch Zeit zum Überlegen bleibt, der Reihe nach.
Nach einem sehr reichhaltigen Frühstück, im Zimmerpreis mit inbegriffen, ging es los, zu viert durch Venedig. Da Jeanette seit inzwischen über 17 Jahren immer wieder herkommt, kennt sie sich
entsprechend aus und macht den Stadtführer. Zuerst ins ehemalige jüdische Ghetto, das älteste Europas, von dem überhaupt durch Wortumwandlung dieser Name kommt (die Insel, auf der es sich befand,
hatte den Namen Geto Nuovo, italienisch für Neue Gießerei; die zugewanderten deutschen Juden machten mit ihrer härteren Aussprache aus geto schließlich Ghetto), ins dortige Museum, durch die
Stadt, um mir diese ganz allgemein zu zeigen und schließlich noch das eine Muss für Touris in Venedig, die Fahrt mit der Gondel. Auch wenn es ein Klischee sondergleichen ist, es lohnt sich
allemal. Wie viele Städte auf der Welt kann man auf diese Weise durchfahren? Da Autos in der Lagunenstadt lediglich bis hinter die Brücke geduldet sind, die die Verbindung zum Festland darstellt,
ist spielt sich sämtlicher Verkehr hier ausschließlich auf dem Wasser ab. Polizei, Rettungskräfte, Müllabfuhr, alles nutzt hier Schiffe. Zieht jemand um, parkt er mit dem Schiff vor der Haustür,
um zu Laden, Geschäfte werden über den Wasserweg beliefert, einziges Verkehrsmittel über Land sind Sackkarren, um die Sachen vom Boot zum Bestimmungsort zu bringen. Dies alles, sowie die Stadt
selbst, vom Wasser aus zu sehen, durch die Kanäle zu gondeln (und ausnahmsweise kann dieses Wort hier einmal im Wortessinne genutzt werden), es lohnt sich definitiv. Pro Rundfahrt, wetter- und
verkerhsabhängig um die 30 Minuten, kostet es 80€, happig, aber dafür können bis zu sechs Personen mitfahren, der Preis ist also immerhin unabhängig von der Zahl der Insassen. Abfahrtsorte gibt
es so ziemlich überall in der Stadt.
Nach der Rückkehr ins Hotel via Wasserbus und einer letzten Shoppingtour für die typischen Souveniers, war es für die drei Zeit für die Abreise. Auch ohne die noch ausgesprochene Einladung nach
England wäre ich schon unglaublich dankbar gewesen und hoffe definitiv, dass wir uns irgendwann wiedersehen.
Nach ihrer Abreise also wieder allein, hatte ich noch einige Stunden, bis ich meinen Rucksack im Hotel abholen musste. Diese nutzend, bin ich durch Venedig gezogen, ausgestattet mit dem Stadtplan
des Hotel, diesen aber selten nutzend. Venedig hat so vieles zu bieten, wenn man einfach durch die Gassen zieht und sich überraschen lässt, was einen hinter der nächsten Ecke erwartet, dass man
sich unbedingt die Muße nehmen sollte, dies zu tun. Während ich ebendies gerade tat, stand ich plötzlich vor einem mir doch sehr bekannt vorkommenden Gebäude. Da ich in diesem Teil der Stadt
zuvor noch nie gewesen bin und diese Kirche auch keine der bekannten Sehenswürdigkeiten der Stadt ist, der Markusplatz liegt weit entfernt, musste ich sie von irgendwo anders her kennen. Eine
Zeile in der Information zu der dort gerade stattfindenden Leonardoausstellung hat mir dann verraten, dass es sich wirklich um die Kirche aus dem Letzten Kreuzzug handelt, erbaut über dem Grab
des Ritters, dessen Schild Indiana Jones den Weg zum Versteck des Heiligen Grals weist. Gut, für die Innenaufnahmen hat man ein Studio verwendet, von innen erkennt man also nichts wieder, aber
immerhin ist die Fassade die des Films.
Abends hieß es dann schließlich, sich wieder den Rucksack zu schnappen und zu gucken, die restliche Zeit des Tages zur erneuten Suche einer Unterkunft zu nutzen. Das große Problem hier in Venedig
ist, dass die wenigen großen Plätze von den Touristen geradezu okkupiert sind und man einen Ort finden muss, an dem sich Einheimische aufhalten, genug, dass die Chance besteht, jemanden zu
treffen, der Möglichkeit und Muße hat, mich einzuladen. Von Jeanette habe ich erfahren, dass es hinter dem Markusplatz ein Viertel mit vielen Studenten gibt, dort allerdings angekommen, musste
ich leider feststellen, dass es keinerlei Plätze oder größere Straßen gibt, wo man auf mich aufmerksam werden könnte. Also zurück zur Universität und von dort aus, da um diese Zeit keine
Lernwilligen mehr zu finden sind, zu dem Platz, an dem die meisten Studenten ihre Abende verbringen, dem Campo S. Margherita.
Um einiges später und immer noch dort, bin ich schließlich vor eine der Bars gewechselt. Zwar besteht mittig auf dem Platz die größte Möglichkeit, von vielen gesehen zu werden, was mir aber wenig
nutzt, wenn niemand nahe genug an mich herankommt, um das Schild lesen zu können. Vor der Bar falle ich nur denen auf, die in eben dieser sind, aber dafür immerhin falle ich genug auf, um von
Interesse zu sein. Nach einiger Zeit kam dann auch wirklich jemand auf mich zu, der zwar keinen Platz für mich hätte, aber jemanden kenne, der dann auch wirklich kurz darauf kam. Was soll ich
sagen, Mario sei Dank habe ich meinen Schlafplatz.
Die Nacht noch auf dem Platz verbringend, hat er mich auf dem Heimweg gesagt, dass er bereits vier Däninen beherbergt, die ihn via Couchsurfing gefunden haben (habe ich in Veneidg wieder einmal
versucht, es hat wieder einmal nicht funktioniert), ich also gucken müsste, wo ich noch Platz finde, aber eine Nacht im Sessel schlafend ist allemal besser, als durch die Straßen zu laufen.
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