Aus einem Lied von Reinhard Mey, das mir hier sehr passend in den Sinn kommt. Das Festival wurde gegründet im Sinne eines wirklichen Theaterfestivals, auf großen Bühnen etc., Anfang der 1970er
glaube ich. Sich diesem anschließend, gab es bald eine Vielzahl kleinerer Bühnen, die mitgemacht haben, von wirklichen Bühnen bis zu Hinterhöfen, und eine Masse an Straßenkünstlern, die
inzwischen den wirklichen Reiz des Festivals ausmachen. Aus aller Welt versammelt man sich hier, um tagsüber die Straßen Avignons zur Bühne seiner Kunst zu machen und abends gemeinsam zu feiern
und nunmehr nicht mehr die Menge zu unterhalten, sondern sich selbst und seine Künste an deren der anderen freundschaftlich zu messen.
Ich selbst bin kein Straßenkünstler, durch meine Reise von den anderen aber als Lebenskünstler ausgezeichnet und in ihre Gemeinschaft integriert und was so wie sie unterhalten durch Musik und
Gesang, Feuer und Akrobatik, Geschick und diverses, unterhalte ich mit Geschichten, wenn sie ihre Vorstellungen beendet und anderen die Bühne überlassen haben.
Tagsüber ziehe ich durch die Stadt, genieße das Leben und die Atmosphäre des Festivals und finde überall die bekannten Gesichter der Nacht. Sarah, aus Spanien übrigens, natürlich mit ihrem Stand
selbstgemachten Schmucks, Laurana, Portugiesin, kreiert neben Dreads auch wahre Kunstwerke im Haar, ihr Freund Leon, Deutscher, der mit seinen unbeschreiblichen Gitarrenkünsten jedes Mal hunderte
von Zuhörern lockt, Secur, taiwanesischer Akrobat, Jack aus Australien, der mit seinen Kunststücken und seiner Körperbeherrschung spielend in der Manege Picadellis auftreten könnte, Miriam,
angereist irgendwo aus Tschechien, die mit ihrem Feuertanz begeistert, David, ebenfalls Spanier, der Marionetten zum Leben erweckt, Najan, Linda, Marice und noch einige mehr, angereist aus
Frankreich und Europa, aber auch aus Nord- und Südamerika, Asien und Ozeanien. Und auch wen man nicht direkt kennt, hat man zumeist abends am Fluss (irgendeine Straße in der Stadt, deren Namen
ich mir nicht merke, die aber direkt am Fluss liegt) bereits gesehen, man grüßt sich also und kennt so zumindest indirekt die meisten Darsteller. Da ich auf keinen festen Platz angewiesen bin,
versorge ich die Leute, vorwiegend die mir bekannten, tagsüber immer mal wieder mit Wasser und was sich so an essen finden lässt, damit sie ihren Platz nicht verlieren, wenn ich nicht gerade
irgendwo unterwegs bin oder ein Schauspiel genieße, bis es wieder Abend wird und wir zusammen zurück zum Fluss ziehen.
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