Nachdem Rebecca weg ist, bin ich wieder allein unterwegs. Gestern habe ich mir Krakau selbst angesehen, wiederum mit den gelben Schirmen und wieder war die Führung sehr gut gemacht (hier nochmal der Link, sie sind weltweit vertreten; http://www.freecitytour.com). Abends hat mir mein nach wie vor mit mir geführtes Schild wieder teure Dienste geleistet. Nach einem längeren Aufenthalt in verschiedenen Bars und zwei Mäcces, in denen zwar reger Betrieb war, aber leider niemand, der mich angesprochen hätte, bin ich schließlich einfach mit Schild durch die Straßen gelaufen und keine fünf Minuten später hat Thomas mich zu sich eingeladen. Ganz in der Nähe vom Hauptbahnhof, zehn Minuten vielleicht per pedes, ich kann es jedem empfehlen, sich so etwas zuzulegen. Vor meinem geplanten Aufbruch Richtung Auschwitz wollte ich dann noch etwas versuchen, was ich nur sehr selten auslasse zu versuchen unterwegs. Krakau hat einen Zoo.
Es dürfte kein Geheimnis sein, dass mein späterer Berufswunsch Zootierarzt ist. Als Kleintierarzt behandelt mein fast ausschließlich Haustiere, als Landtierarzt besamt man zu gefühlten neunzig Prozent Kühe. Im Zoo aber hat man die gesamte Palette an Tieren, man kann organisieren, steht bestenfalls mit anderen Zoos und Naturschutzorganisationen in Kontakt, es gibt die Zooschule... Mein Credo, es wird nicht nur ein Job für mich sein, sondern mein Beruf. Davon abgesehen bin ich auch einfach gern im Zoo.
Nach einem längeren Fußmarsch und einer noch längeren Rundreise mit dem Bus (es gibt nur einen, der eine Runde dreht und ich bin natürlich auf der falschen Seite eingestiegen und konnte mir erstmal noch die Endstation ansehen), war ich da und habe, wie Lucas es so schön in Bristol ausgedrückt hat, meine Magie wirken lassen. Freier Eintritt.
In jedem Zoo habe ich mittlerweile schon automatisch einen Blick darauf, wie die Tiere gehalten werden. In Krakau machen sie es nicht perfekt, was kein Zoo von sich behaupten können wird, aber grundsätzlich machen sie ihre Sache richtig gut. Die meisten Tiere haben weitläufige, natürlich gestaltete Gehege, Rückzugsmöglichkeiten etc. Die Großkatzen werden, wenn es mehr einer Art gibt, als in einem normalen Rudel der Fall wäre, räumlich weit voneinander getrennt in verschiedenen Gehegen gehalten, also sogar außer Rufweite, was ich bisher nur sehr selten gesehen habe. Und das Personal ist mehr als freundlich. Um wieder in die Stadt zu kommen, habe ich auf dem Parkplatz gewartet, ob jemand zu seinem Auto käme und mich mitnehmen könnte. Irgendwann kam dann ein Mädel, das, wie sich herausgestellt hat, im Zoo arbeitet und mir, die Frage kam natürlich sofort, als ich das erfahren habe, was für meine Sammlung geben könnte. Zwar müsste ich bis zum nächsten Tag warten, aber darauf doch gerne. Anstatt gen Auschwitz, bin ich also wieder zurück nach Krakau gefahren, einen Schlafplatz zu suchen. Und da ich zufällig in unmittelbarer Nähe eines mir bekannten Hostels war: meine zweite Nacht im Benedict.
Nächster Morgen. Der Bus ist bekannt, aber da mich mein Weg nach Auschwitz führen wird heute und meine Vorräte zur Neige gehen, der Bus aber an mehreren Obstständen und Läden vorbeikommt, war es jetzt keine allzu schwierige Entscheidung, zu Fuß zu gehen, dafür aber meine Taschen zu füllen. Wieder einmal übrigens teilweise Dank meiner Übersetzungsapp. Mit Vorräten also, mit denen ich Auschwitz wohl auch zu Fuß erreichen könnte, ging es den Berg hoch, um unterwegs gleich eingesammelt zu werden. Zofia hat mich gleich wiedererkannt (lange Haare, Hut, Rucksack, eine absolute Allerweltsgestalt, die da langläuft), mitgenommen in den „Backstage“-Bereich für Mitarbeiter, mir anschließend den zweiten freien Eintritt in zwei Tagen verschafft und mir ein Sammelsurium an Sachen gegeben. Stacheln, Federn, Zähne, Häute, alles was das Herz begehrt, und dazu die Möglichkeit, meinen Rucksack abzustellen und den Zoo nocheinmal ohne mein Gepäck zu genießen. Wie könnte ein Morgen schöner starten?