Krakau zu zweit

 

Wenn ihr in irgendwelchen bekannteren Touristenstädten gewesen seid, sind euch eventuell schon einmal gelbe Regenschirme aufgefallen. Auf alle wird es nicht zutreffen, aber einige dieser gehörten wahrscheinlich zu einer Organisation, die kostenlose Stadtführungen anbietet, der free city tour. Da ich nicht nur die Idee klasse finde, sondern ach von der Umsetzung absolut begeistert bin, hier der Link. Leute, probiert es aus, es lohnt sich! http://www.freecitytour.com/

 

Aufgefallen ist mir der Schirm im Jüdischen Viertel. Mit der Tram bin ich von meiner Kirche aus Richtung Stadtmitte gefahren und nachdem ich es endlich geschafft hatte, die Touriinfo zu finden, die öffentlichen Stadtpläne sind eine Katastrophe sondergleichen, mir dort einen vernünftigen Stadtplan besorgt und gesehen habe, das so ziemlich alles andere interessante in entgegengesetzter Richtung liegt, ging es natürlich dort los. Nach einer ersten Runde alleine dann stand vor der Alten Synagoge, inzwischen ein Museum, einer der besagten gelben Schirme. Die ausgeschilderte Tour war nur leider auf spanisch. Auf eine englische hätte ich knapp zwei Stunden warten müssen, wie mir der Typ gesagt hat, aber die vorangegangene lief seit gerade zehn Minuten und war noch in Sichtweise. Den Anfang kann man sich auch in der Gruppe erfragen, so kommt man gleich mit wem in Kontakt, nichts wie hinterher also. Bei einigen Australiern habe ich erfahren, dass ich außer der Vorstellung nicht wirklich was verpasst habe und dass mein Rucksack anscheinend interessanter sei als die eigentliche Tour, in jeder Pause wurde ich also ausgefragt, wo ich schon gewesen bin etc. Soweit ganz nett, am Ende der Tour hat sich mein Zuhörerkreis allerdings insofern verändert, dass ich in Rebecca nicht nur eine andere Reisende gefunden habe mit sehr schönen Plänen, sondern auch eine Begleitung für den restlichen Tag. Sie ist Irin, gerade auf Europareise und mit einem geplanten Stopover in Malaga unterwegs nach Neuseeland.

 

Zusammen mit drei Leuten, die wir unterwegs getroffen haben, ging es vom Platz der Helden des Ghettos zum Kunstmuseum. Moderne Kunst ist zwar eigentlich nicht so meins, aber öfter mal was neues. Im Museum habe ich dann herausgefunden, Rebecca teilt meine Ansichten diesbezüglich, sie hat aber der freie Eintritt zu sehr gereizt, um es sich entgehen zu lassen :D War aber soweit ganz nett.

 

Nach dem Museum und wieder in trauter Zweisamkeit, habe ich sie mit meiner Art des Reisens vertraut gemacht. Erst recht schüchtern, hat sie mich bald in meiner Ansicht bestätigt, dass Mädels es bei sowas einfach leichter haben, aber da wir alles teilen, hatten wir beide dann ein recht ansehnliches Mahl und Spaß sowieso. Da ich mich im Viertel bereits soweit auskannte, um sie ein wenig herumzuführen und einen netten Platz zum Essen wusste, einen alten, zur Szenebar umgestalteten Bahnhof, wo man sich aber eben auch einfach so niederlassen kann, sie dafür schon was länger in Krakau war und sich außerhalb des Jüdischen Viertels etwas auskannte, haben wir uns auch da wunderbar ergänzt. Das Beste war allerdings, dass sie es mir ermöglicht hat, im Benedict-Hostel einen Schlafplatz zu finden. Sie war dort schon vorher eingecheckt und ich habe sie, nachdem ich sie zurückgebracht hatte, einfach mal probiert. Was soll ich sagen, hat wunderbar funktioniert :) Blöd war nur, dass sie leider am selben Abend wieder weitermusste, Wien entgegen. Aber da wir ja inzwischen nicht mehr auf Brieftauben angewiesen sind heutzutage, sollte es kein Problem darstellen, in Kontakt zu bleiben und vielleicht sieht man sich ja nochmal wieder.