Ziemlich am Anfang, in Tour damals, bin ich in einen Kopiershop gegangen, habe mir ein Stück Papier erfragt, ein Schild gebastelt und meinen Rucksack mit ebendiesem und der Aufschrift „HITCHHIKER SEARCHS PLACE TO STAY“ vor die Uni gestellt. Fünf Minuten später hat Leo mich angesprochen. Ich hatte im hier und jetzt noch einen halben Pizzakarton und den Fehler gemacht, mein Lieblingsbuch anzufangen, das mir meine Mutter in der e-Version geschickt hat. Wenn man also vor der Entscheidung steht, sich umzusehen in der größten Stadt des Baltikums, der Hauptstadt Litauens, einem siebenhundert Jahre alten Juwel mit einer der ältesten Universitäten Europas, gelistet bei der UNESCO oder sich zumindest nach einer Bleibe für die Nacht umzusehen, was hättet ihr gemacht? Das Schild war also schnell gemacht, diesmal ohne Fehler natürlich, die Uni schnell gefunden und ich abgetaucht in die Welt von Temeraire. Wer diese selbst kennenlernen möchte, sehr zu empfehlen, die Autorin heißt Naomi Novik, die Reihe „Die Feuerreiter Seiner Majestät“ und der erste Band „Drachenbrut“. Acht gibt es bisher, der neunte und letzte soll gegen Sommer 2017 folgen.
Nach einiger Zeit (Fünf Minuten? Drei Stunden? Es waren zumindest einige Seiten) wurde ich dann tatsächlich angesprochen. Ein Mädel kniet sich vor mich und fragt, ob ich eine Unterkunft suche. Sie ist Studentin, selbst in Europa herumgetrampt und sofern ihre Mitbewohnerinnen zustimmen glücklich, mir helfen zu können. Von hoher See ging es dann zurück an Land und auf das Volksfest, an dessen Rand ich mich niedergelassen habe, aber wer liest, ist in einer anderen Welt, mir war nicht mal die Musik aufgefallen, die eigentlich nicht zu überhören ist :D
Wer hier mitliest, wird sich vll an einen vorangegangenen Artikel erinnern, von wegen tanzen. Durch Maria hat sich das jetzt auch erfüllt. Hier in Vilnius gibt es ein Haus für Jugendliche und junge Erwachsene von 14 bis 29, in dem man einfach abhängen kann, sich treffen etc. und für Programm wird auch gesorgt, an diesem Tag durch Lindy Hopp. Wenn ihr es googeln wollt, könnte unter Umständen falsch geschrieben sein. Es handelt sich um einen Paartanz, sehr ähnlicher Rhythmus wie beim Jive, was mir den Anfang recht schwer gemacht hat, da ich sporadisch ein paar Schritte von da übernommen habe. Sobald ich das ausgemerzt hatte, ging es aber wunderbar und ich konnte endlich wieder tanzen. Aufgenommen in das Haus wurde ich übrigens in solchem Umfang, dass ich kaum wusste, wie mir geschieht. Ein Mädel kam raus, auf mich zugerannt, begrüßt mich überschwänglichst, zieht mich an der Hand ins Haus, fragt mich gleichzeitig aus, während sie mich allen vorstellt, drückt mir schließlich einen Tee in die Hand, den ich kaum halb trinken konnte, bis es zum Tanzen ging. Reisende sind hier also sehr willkommen :D
Die Schritte hier im einzelnen wiederzugeben, stelle ich mir recht schwierig vor, da gibt’s aber wahrscheinlich irgendwo in den Weiten des Internets einige Videos zu. Nachdem wir uns erst in einem Raum des Hauses versammelt hatten, es durch immer mehr Leute, die mitmachen wollten, irgendwann zu voll wurde und es draußen weiterging, haben wir uns schließlich, sobald die Grundschritte saßen, im Kreis aufgestellt, Mädels außen, Jungs innen, und regelmäßig rotiert. Für mich gab es bei den Ansagen immer extra noch eine englische Übersetzung, wie gesagt, Reisende sind hier unglaublich willkommen.
Nach dem Tanzen ging es mit Maria und einigen ihrer Freunde, unter anderem Kristina, ihrer Mitbewohnerin, direkt weiter zu einem Konzert. Eine lokale Band in einem kleinen Klub, sehr old style, alles richtig nett gemacht. Bevor es los ging, konnte man sich im hinteren Bereich auf ein paar Sofas fläzen (wir zumindest, wer später kam musste natürlich stehen :P), als die Band dann loslegte, konnte man sich wahlweise an den Rand setzen, auf der Empore die Musik genießen oder ganz klassisch vor der Bühne stehen. Die Musik selbst war unglaublich gut, wobei die Band litauisch gesungen hat, ich von Text also herzlich wenig verstanden habe. Alles in allem also ein mehr als gelungener Abend :) Mit dem Bus ging es dann noch ins Wohnheim, Kristina war also einverstanden, was kann man mehr erwarten, wenn man sich zum Lesen hinsetzt :D