Ich halte mich grundsätzlich für einen recht besonnenen und gefassten Menschen. Es braucht schon so einiges, um mich wirklich aus der Ruhe zu bringen und es gibt weniges, über das ich mich wirklich aufrege. Eines davon, eine Sache, die ich absolut auf den Tod nicht ab kann, sind schlechte Architekten bzw. Städteplaner. In Lissabon gibt es ein Viertel, dass als einzige Sackgasse angelegt ist, in A Coruña in Spanien gibt es eine Einkaufspassage, die in einem riesigen, offenen Parkhaus endet, allerdings mehrere Meter über dem Boden, ebenfalls nur mit einem Ausgang. Natürlich gibt es nirgendswo irgndeine Art von Hinweis, nicht mal in den jeweiligen Landessprachen, dass dem so ist. Nahtlos fügt sich in diese Reihe eine Brücke in Riga über die Düna. Wenn man auf die andere Seite will, hat man die Auswahl von knapp einem halben Dutzend Wegen, die alle auf die Brücke zuführen, allerdings gibt es nur einen von denen, der wirklich auf die Brücke hinaufführt. Da sich die Wege ungefähr einen Kilometer trennen, bevor man das sieht, steht man bei der falschen Wahl irgendwann vor einer mehrspurigen Schnellstraße. Es scheint in vielen Ländern Menschen zu geben, die ihren Beruf verfehlt haben.
Sofern man es schließlich doch noch über den Fluss geschafft hat, möchte man am liebsten schreiend wieder umdrehen. Es ist unbeschreiblich, unvorstellbar laut, der Verkehr ist eine Katastrophe. Ich habe mir teilweise -vergeblich- die Ohren zugehalten, einen schlimmeren Verkehrslärm habe ich Zeit meines Lebens nirgends erlebt. Dazu kommt, dass die Sirenen der Rettungsfahrzeuge alleine schon ohrenbetäubend wären, die sind um ein großes Vielfaches lauter als in Deutschland. Der einzige Grund, warum man den Fluss überqueren sollte, ist eine wunderschöne Kirche auf der anderen Seite. Glücklicherweise gibt es hierhin einen Schleichweg über eine zweite, kleinere Brücke, was mir vorher nicht bewusst war, ich aber immerhin für den Rückweg nutzen konnte. Weinrote Wände, strahlend blaue Zwiebeldächer, Türme und Türmchen, herrlich gebaut. Innen prunkvoll, aber nicht so überladen, wie viele orthodoxe Kirchen meiner Ansicht nach sind, sehr schöne Wandgemälde.... Definitiv eine Entschädigung für den Hinweg.
Theoretisch gäbe es noch einen weiteren Grund, die Düna zu überqueren, das Kalnciems-Viertel. Restaurierte Holzhäuser aus dem 19. Jahrhundert, die in meinen Augen allerdings nicht allzu viel hermachen, da viele direkt an der Hauptstraße liegen und man da vor lauter Lärm nicht mehr geradeaus gucken kann. Einige sind bereits wieder heruntergekommen, an manchen ist Grafitti etc. Darüber hinaus, verglichen mit Dawson City im Yukon, einer originalen Goldgräberstadt und ebenfalls aus dem 19. Jahrhundert, macht das Viertel grundsätzlich nicht viel her. Die angeblich ebenfalls hier irgendwo existieren sollende Zanis-Lipke-Gedenkstätte klingt in ihrer Beschreibung zwar sehr schön, ist aber schlicht nicht auffindbar und anscheinend falsch im Stadtplan eingetragen worden oder es gibt einen Maßstabsfehler bei der Umsetzung des Plans.