Mal ehrlich: würdet ihr einen Kerl, den ihr nicht kennt, den ihr zufällig irgendwo getroffen habt und der leicht seltsam herumläuft, einfach so zu euch einladen? Manchen kämen da wohl doch
Zweifel und Charly und Amina anscheinend auch noch, nachdem die Einladung schon ausgesprochen war.
Von Panevézyz ging es morgen wieder weiter und da wir auf der doch was längeren Fahrt reichlich Zeit hatten, uns zu unterhalten, noch etwas mehr zu Luca. Er ist gebürtiger Italo-Finne, lebt circa
fünfzig Kilometer nördlich von Helsinki, hat einen Sohn, ist Krankenpfleger für psycisch Kranke und nach zwei Monaten unterwegs gerade auf der Rückreise nach Hause. Vier Freunde, Italien und
angrenzende Länder, Hälfte der Zeit Sightseeing, Hälfte Camping. Da man vor Ort nur ein Auto haben wollte, das Gepäck inklusive aller Menschen aber nicht ins Auto gepasst hätte, sind drei
geflogen und er, der das Auto gestellt hat, ist gefahren. Man muss schon was für's Autofahren übrig haben, um bei dem Deal den Fahrer zu spielen.
In Tallinn angekommen hat er mich noch bis zur Touriinfo gebracht und dort verabschiedet. Er hat seine Reise fast beendet, meine geht noch ein wenig weiter, nächster Halt Tallinn. Eine Stadt, die
nicht nur Ziel hunderttausender von Touristen ist jedes Jahr, vorwiegend wohl Ausflügler von Kreuzfahrtschiffen, sondern gelegentlich auch von FSJlern.
Wie man das in der Touriinfo halt so macht, man holt sich die Karte der jeweiligen Stadt, guckt, was da so ansteht und macht sich dann erstmal mit derselben vertraut. Und wenn man irgendwo
deutsche Stimmen hört, quatscht man einfach mal kurz mit. Die beiden Deutschen waren, welch Überraschung, die im Intro erwähnten Mädels, Charly und Amina. Da sie gerade erst angekommen waren in
der Stadt, ging es, ratet mal, zur Touriinfo und dort haben sie mich nach kurzer Beratung spontan zu sich eingeladen für die Nacht. Nach meiner Stadtbesichtigung, wunderschöne Stadt,
autentische Altstadt, von der Größe her schön übersichtlich, an einem Wochenende durchaus auch mit Museen zu schaffen, stand ich trotzdm vorerst erstmal im Regen. Ich hatte zwar die Handynummern,
nur wenn nimand rangeht, nutzt mir das erstmal wenig. Nachdem ich dann doch wen erreicht habe, wurde mir gesagt, Adresse käme gleich per SMS. Soweit, so gut, bloß stand ich eine halbe Stunde
später immer noch da ohne Plan wo ich hin muss...
Amina hatte am Telefon nicht mehr ganz überzeugt geklungen, ob das mit der Einladung ine gute Idee war, ich hatte mich also schon darauf eingestellt, dass ich mir wohl was anderes suchen müsste
für die Nacht, die Auflösung war schließlich aber einfach, beide sind eingepennt, SMS ist irgendwo im Datenverkehr hängen geblieben und via WhatsApp hat's dann doch noch geklappt. Nachdem ich
dann erstmal promt zum falschen Haus gelaufen bin, tallinnische Adressen muss man erstmal zu lesen wissen, bin ich schlussendlich doch noch angekommen und nach einem netten Abend zur Abwechslung
mal wieder drinnen zum Schlafen.