Trampen auf Polnisch

Die Busgesellschaft hat den Preis für das Ticket über Nacht anscheinend vervierfacht, was Matthias' Mittel übersteigt. Seine Idee, den Fahrer zu fragen, ob noch Plätze im Bus frei sind, die man evtl einfach so nutzen könnte, hat leider nicht geklappt, weshalb ich wieder auf meine übliche Art der Fortbewegung zurückgegriffen habe. Da das Tagesticket eine Gültigkeit von vierundzwanzig Stunden hat und ich morgens um sechs los bin (von den vom Sicherheitsdienst geholten Menschen kam übrigens wirklich nie jemand wieder, wir wurden immer weniger in dem Raum), konnte ich das Stadtgebiet recht schnell verlassen. Lift Nummer eins hat mich gefunden, als ich gerade Brotzeit gemacht habe und mich von hinten plötzlich wer angesprochen hat. Da ich von der Straße abgewandt saß, habe ich gar nicht bemerkt, dass ein Auto gestoppt hat, wohlgemerkt ohne, dass ich Schild oder Daumen rausgehalten hätte. Dreihundert Kilometer weiter habe ich mich dann gerade über die mir geschenkten Trauben hergemacht, Schild und Daumen also wieder unten, erstgenanntes aber zumindest an den Rucksack gelehnt, werde ich wiederum von hinten gerufen, ob ich mitwill. Merke: um in Polen zu trampen reicht es, sich an die Straße zu setzen und zu essen, bis du gefragt wirst, ob du mitwillst. Gefällt mir.
Vilnius, der ursprüngliche Plan, wird noch auf mich warten müssen. Luca kommt gerade aus Italien und will zurück nach Helsinki, weshalb er mich bis zum Hafen von Tallinn mitnimmt. Litauen und Lettland kommen dann auf dem Rückweg dran, so eine Chance lässt man sich nicht entgehen. Heute beschließen wir den Tag in Panevézyz, irgendwo in Litauen, in einem anscheinend für Einheimische gedachten Hotel. Abseits gelegen, eine Nacht für zwei Leute kostet weniger als in den anderen Hotels etwas für einen einzigen, sehr heimelig gestaltet und Luca und ich sind die beiden einzigen Fremden hier. Leicht skurille Situation, aber daran gewöhnt man sich.