„Iss das nicht.“ „Ach, das ist noch gut. Das riecht immer so.“ „Iss das nicht.“ Er isst es.
Wie könnte diese kleine Story weitergehen? Ihr habt ein paar Absätze Zeit zum Überlegen.
Aus Shrewsbury wieder wegzukommen, erwies sich als ungeheuer schwierig. Bei Tageslicht betrachtet, hat der Ort zwar einiges zu bieten und es wäre sicherlich nett, hier einige Tage zu verbringen, nach einigen Runden Tischtennis in der hiesigen Universität mussten wir aber leider wieder weiter. Schottland wartet. Tunis, ich fordere übrigens Revanche, irgendwas kann da nicht fair gewesen sein :D
Irgendwie haben wir es irgendwann dann doch geschafft. Nachdem wir zu Fuß die gesamte Stadt durchquert haben, fanden wir am Stadtrand einen Mäcces. In Ermangelung von etwas Vernünftigem als Alternative, versuchten wir dort unser Glück und bekammen, da wir uns durch unsere Fotos als Tramper ausweisen konnten, auch wirklich zwei Menüs gestellt sowie ein Pappschild und einen Edding. Mit den beiden letztgenannten Utensilien schafften wir es dann auch endlich, Shrewsbury wieder zu verlassen, allerdings bloß, um dann in irgendeiner gottverlassenen Ortschaft zu stranden. Wir liefen stundenlang die Straße entlang, versuchten eine Stelle zu finden, wo man besser wegkommt, versuchten es an Ampeln, Kreuzungen, Restaurants, vor der Zufahrt zurück zum Highway, alles vergeblich. Das Problem war, vor der eigentlichen Zufahrt liegt ein riesiger Verkehrskreisel, der quasi überall hin führt. Unsere Abfahrt lag auf der entgegengesetzten Seite und von der Stelle, an der wir uns befanden, fuhr kaum ein Auto dort entlang. Schlussendlich schafften wir es dann aber, einen, wahrscheinlich nicht allzu legalen, Weg dorthin zu finden. Wie zur Bestrafung dafür, landeten wir danach immer wieder auf Zu- oder Abfahrten von Higways. Das System dieser ist etwas anders als in Deutschland, es gibt überall immer reichlich Platz zum Halten, da vieles auf Kreiseln basiert, aber eben deshalb ist es ungleich schwieriger, ein Auto in seine Richtung zu finden. Ich würde diesen Teil des Tages jetzt nicht unbedingt als Katastrophe bezeichnen, wir haben immer wieder jemanden gefunden und hatten währenddessen und auch während der Wartezeit viel Spaß, Tunis hatte dazu noch seine Gitarre, wir kamen also schon klar. Aber nachdem wir es endlich wieder auf einen Rastplatz geschafft hatten, waren wir uns doch ziemlich schnell einig, vorerst bei Rastplätzen zu bleiben und die Finger von Zufahrten und Kreiseln zu lassen.
Wir waren also endlich wieder auf einem Rastplatz, einem sehr großen sogar. Da wir im Zuge der diversen Aufenthalte an Kreiseln, Zu- und Abfahrten fast sämtlichen Proviant verloren haben, nutzen wir die Zeit, uns davon zu erholen und neue Vorräte zu fassen. Das erwies sich allerdings als ungewohnt schwierig, da nirgends irgendetwas machbar war. Ich bin, nachdem wir überall gefragt haben, sogar soweit gegangen, mich am containern zu versuchen, aber auch das hat sich als Fehlschlag erwiesen, da der Container quasi leer war. Tunis, der währenddessen woanders gefragt hat, hatte dies nicht mitbekommen und mir vorgeschlagen, doch einmal hinter dem Supermarkt zu gucken. Ich, der ich eben dort bereits gewesen bin, habe zwar gesagt, dort war nichts, aber er ließ sich nicht davon abbringen. Da unser letzter Versuch, etwas zu bekommen, war, mit dem Manager des Marktes zu sprechen, der uns gerne geholfen hätte, es aufgrund seiner Position aber nicht durfte, und aber immerhin selbst auf die Tonnen hingewiesen hatte, ließ sich Tunis nicht davon abbringen. Das „Ich hab's dir doch gesagt.“ schon auf den Lippen, hat er mich dann allerdings mit einer bis oben hin gefüllten Tonne überrascht mit Lebensmitteln, die frisch vom Vortag waren und sorgfältig verpackt. Meine einzige Erklärung ist nach wie vor, der Manager muss nach unserem Gespräch durch die Regale gegangen sein um zu gucken, was denn so alles weg kann.
Wir haben uns also reichhaltig bedient. Tunis etwas zu reichhaltig, wie ich fand, da er sich auch an Sachen bediente, die meines Erachtens definitiv nicht mehr vom Vortag stammen konnten. Oder auch noch dem Tag davor.
Mit neuem Proviant ging es also wieder weiter, mit einem Mädel ein gutes Stück nach Norden. Gelandet sind wir allerdings wieder bei einem Kreisel. Gut mit Vorräten versorgt, wollte Tunis sich daher etwas Gutes gönnen. Er hat bei all den feinen Sachen eine seiner Lieblingssachen gefunden, Hummus. Abgelaufen zwar, aber mit Sicherheit noch gut. Ich, dezent skeptisch, habe mir das Ding mal angeguckt und, sowieso kein großer Hummusfreund, gleich gesagt: „Weg damit.“ Tunis macht es auf, riecht dran und guckt zumindest skeptisch. Ich wiederhole: „Weg damit. Iss es nicht.“ „Ach, das ist noch gut. Das riecht immer so.“ „Iss es nicht.“ Er isst es...
Wem kommt diese Szene jetzt bekannt vor?
Uns vom Kreisel wieder wegzubringen, hält ein Mann, den man schlicht als das Klischee des Engländers an sich beschreiben kann, im besten Sinne wohlgemerkt. Mit ihm kommen wir bis etwas über Lancester und sind hiernach endlich wieder auf einer Autobahnraststätte an einem Higway. Dem Higway nach Schottland. Einziges Problem: Tunis. Das „Ich hab's dir doch gesagt.“ kann ich mir beim besten Willen nicht verkneifen, aber da ich selten jemanden so schnell habe die Farbe wechseln sehen, hat sich die Weiterreise für heute wohl erledigt. Ich werde nicht krank, von daher weiß ich nicht, wie es sich anfühlt, wenn man sich aber so fühlt, wie er gerade aussieht, muss es sehr unangenehm sein. Wir verziehen uns also ins obere Stockwerk des Gebäudes, um diese Zeit fast ausgestorben, fläzen uns in zwei der Sessel und hoffen, der Farbwechsel ist nur vorübergehend.
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