Tagsüber, während Georg arbeiten musste, waren wir in Pembroke. Mittelalterlicher Stadtkern, direkt am Strand, sehr schön das alles. Nach einem ersten Rundgang durch die Stadt und über den Strand, Tunis hat uns ein Eis erspielt, und einem gemütlich verbrachten Vormittag, ging es dann aber wieder zum Geschäftlichen. Eine gute Stelle war schnell gefunden, Tunis gut bei Stimme und mit seiner Gitarre durchschnitt er kurzerhand die Hektik der Straße. Da die Erfahrung dieselbe war, wie bereits in Bristol, wenn ich dabei stehe, gibt’s weniger, habe ich wieder die Versorgung übernommen, mir die Stadt weiter angeguckt und ihn regelmäßig über den Stand der Fußballspiele informiert. Nach einem sehr einträglichen Tag und der Feier des Gewinns bei zwei Portionen Fish&Chips, kam Georg wieder und lud uns, als Abschiedsüberraschung, zu sich auf die Arbeit ein. Er jobt in einer Bar, in der es heute Abend einen Liveauftritt geben sollte.
Angekommen in derselben entpuppte sich einer der Gäste als Freund Georgs, der eine Bar zwei Dörfer weiter besitzt und ein großes Problem hatte. Seine eigene Band, die für ihn heute Abend spielen sollte, fiel aus. Was tun, sprach Zeus? Tunis fragen! Kurzerhand wurde er eingespannt, vor vollem Haus zu singen. Kost und Logis inklusive für ihn und für mich, waren wir wenig später vor Ort. Volles Haus war dabei keinesfalls übertrieben, alle Zimmer waren gut gefüllt, die Bühne groß und leer. Aber von Lampenfieber keine Spur, Gitarre gestimmt, ab auf die Bühne und Tunis füllt das Haus mit Leben. Also Leben gab's da auch schon vorher, aber die Stimmung war nicht mehr dieselbe. Unterstützung hat er gefunden in einem der Gäste, der spontan mit seinem Akkordeon eingesprungen ist, sodass er seine Stimme zwischenzeitlich schonen konnte. Am beliebtesten war übrigens “Electric City“, einer seiner selbstgeschriebenen Songs.
Spät am Abend, Tunis nach einer fantastischen Darbietung inzwischen etwas heiser, mussten wir dann aufbrechen. Die Fähre nach Irland wartet, oder eben auch nicht. Zurück bei John und Georg, haben sie uns noch mit ausreichend Proviant versorgt und es ging wieder weiter. Am Hafen traf uns dann allerdings vehement die Ernüchterung, da sich nicht der kleinste Hauch der Möglichkeit einer Möglichkeit finden ließ, uns auf die Fähre zu kriegen. Weder Arbeit noch Musik, weder Angestellte noch Manager konnten uns helfen, da die Fährgesellschaft eigenständig war und die Leute am Hafe die Tickets lediglich verkaufen. Ausreichend Geld, zwei Tickets zu kaufen, hatten wir aber auch nicht. Wir wären aber nicht Tarzan und Tunis, wenn uns das aufhalten würde, nach Irland zu kommen. Meinen enthusiastischen Plan, und dann einfach auf die Fähre zu schleichen, wollte Tunis, aus mir völlig unverständlichen Gründen, nicht mittragen. Da wir von Schottland aus mit einer Fähre aber nicht ein neues Land betreten würden, sondern lediglich von einem Teil des Vereinigten Königreiches in einen anderen Teil wechseln würden, schätzten wir unsere Chancen von dort aus wesentlich höher ein. Alles auf Anfang also, der Plan steht wieder. Auf nach Schottland.
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