Nach dem Abend, Tunis hat den wohlverdienten Applaus für einige Coverversionen und Selbstgeschriebenes sichtlich genossen, hat uns Pete, einer der Barkepper, zu sich nach Hause eingeladen. Heute Morgen war die Reihe dann wieder an mir, und da Bristol einen Zoo hat, war die Entscheidung jetzt nicht allzu schwierig, was ich machen möchte.
Der Zoo liegt etwas außerhalb, wir sind zu Fuß, man auf dem Weg also noch weiter Teile der Stadt. Unterwegs hat Tunis uns noch ein Eis erspielt und vor dem Zoo hat er mich gehießen, meine Magie spielen zu lassen. Wenn ich dauernd davon rede, ohne Geld zu reisen, über drei Kontinente hinweg, will er nun sehen, wie ich uns beide umsonst in diesen Zoo bringe. Gesagt, getan. Nach kurzem Gespräch mit dem Mädchen am Kassenschalter und danach mit dem hinzugerufenen Manager, waren wir drin. Tunis, fühle die Magie des Trampens.
Der Bristoler Zoo ist gigantisch. Eine irre Artenvielfalt, eine gut durchdachte Gestaltung, ein Gelände, das nicht nur auf Tiere gucken ausgelegt ist, sondern zum Verweilen einlädt. Und Tunis war mit Rucksack schleppen dran >:D
Wieder unterwegs hieß es mal wieder, Vorräte zu fassen. Das ist uns heute so gut gelungen, dass wir nicht nur beide für drei gegessen haben, sondern zusätzlich noch gut genug versorgt sind, um die nächsten beiden Tage gut essen zu können. Läuft bei uns. Als Ziel steht Wales an. Wer uns auf der Karte folgt, wird bereits gesehen haben, dass Bristol nicht so ganz in Richtung Plymouth liegt. Da das nämlich so weit ab vom Kurs und von allem anderen ist, hat Tunis gesagt, darauf verzichten zu wollen, um mehr Zeit zu haben für den eigentlichen Weg. Dieser hat uns dann zum nächstgelegenen kleineren Bahnhof geführt, um so wiederum den Hauptbahnhof erneut zu betreten. Als wir endlich einen gefunden haben, war nur das Problem, dass der Zug gerade weg war und der folgende eine halbe Stunde auf sich warten lassen wird. Aber wozu hat man schließlich seine Hängematte. Ich lasse die Seele baumeln, Tunis spielt auf der Gitarre, so lässt sich's doch gut auf einen Zug warten. Als der dann kam, kam mit ihm direkt eine Kontrolleurin. Diesmal konnten wir allerdings guten Gewissens sagen, dass wir beim besten Willen keinen Ticketschalter finden konnten. Prompt wurden wir dann darüber aufgeklärt, dass man sich sein Ticket bei diesem Zug innerhalb des Zuges kauft, genauer gesagt bei eben dieser Kontrolleurin. Glücklicherweise haben wir durch Tunis' Künste genug Münzen, sodass dies kein großes Problem darstellt. Zwar haben wir uns um ungefähr drei viertel verzählt, da die Münzen, die wir für ein Pfund gehalten haben, in Wahrheit nur ein Zehntel wert sind, aber für zwei Tickets reicht's. Angekommen auf dem Hauptbahnhof ging es nach kurzer Suche weiter Richtung Cardiff. Um diese Zeit gibt es keinen Zug, mit dem wir weiter als Cardiff kommen würden. Bis dahin ist es aber zumindest ein gutes Stück und vor Ort sieht man dann weiter.
Eben da liegen wir jetzt in der Wartehalle von Gleis 3. Anstatt dass es hier einen großen Wartesaal für alle gibt, hat jedes Gleis einen eigenen, der durchgängig geöffnet ist. Für uns, die wir die einzigen Wartenden sind, ist das natürlich wesentlich angenehmer, zumal es mich vollkommen flachgelegt hat. An unserem ersten Abend in Bristol, haben wir in einem Asiastore ein paar Fertiggerichte bekommen. Am nächsten Tag, also bevor wir abends Pete getroffen haben und Tunis seinen Auftritt hatte, sind wir nach einiger Zeit, die wir die Stadt durchstreift haben, auf der Suche nach einer Dusche, auf das Full Moon gestoßen, eine sehr coole Jugendherberge. Dafür, dass wir die Küche sauber gemacht haben, durften wir duschen und uns in der Küche etwas zu essen machen. Unser Fehler war, den Fertiggerichten zu vertrauen. Geschmacklich irgendwo zwischen Pappkarton und Schuhsohle einzuordnen, haben wir uns gesagt, Augen zu und durch, es macht zumindest satt. Recht bald darauf, hat sich Tunis' Magen verabschiedet. Den Tag über hat er zwar durchgehalten, hing aber zwischenzeitlich doch ein wenig in den Seilen. Ich, der ich über eine ungleich stärkere Konstitution verfüge, habe keine Probleme gehabt, bis mein Körper anscheinend jetzt den Kampf gegen was auch immer es ist, verloren zu haben scheint. Tunis und ich haben diverse Namen und Mögliche Inhaltsstoffe ersonnen dafür. Während ich jetzt also in meinem Schlafsack dahinvegetiere und auch zu nichts anderem mehr zu gebrauchen bin, hält Tunis Wache und guckt, dass wir den Zug nicht verpassen werden. Um kurz vor sieben geht es weiter Richtung Wales.
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