Eine Nacht, über die es so viel zu sagen gibt, und die man doch nicht in Worte fassen kann.
Normalerweise ist Stonehenge einfach eine Ansammlung von Steinen, denen man sich für 25€ auf ein paar Metern nähern darf und dann Fotos macht. Zählt als Sehenswürdigkeit, ist es wohl auch, aber bei dem mehr als gesalzenem Preis, bei dem man trotzdem nicht weiter als bis zum Zaun darf, muss es jetzt auch nicht unbedingt sein. Außerdem sind die Dinger groß genug, das man sie auch von weiter weg noch sehen kann. Info nebenbei, den Zaun und Eintrittpreise gibt es erst seit Ende der Achtziger. Vorher war Stonehenge völlig frei betretbar, bis es sich zu einem Drogenumschlagplatz für Glastenbury entwickelt hat. Um das zu unterbinden, kam der Zaun und damit dann gleich auch ein Eintrittpreis. Glastenbury ist wohl recht in der Nähe und soll eine Art Urgroßmutter aller (europäischen) Festivals sein. Wir wurden unterwegs sogar schon mehrfach gefragt, ob wir dorthin unterwegs seien.
Aber zurück zu Stonehenge. Normalerweise eher oder, zweimal im Jahr allerdings verwandelt es sich komplett. Menschen von überall her strömen zum Steinkreis. Begonnen hat es irgendwann einmal als Zusammenkunft von Druiden (den heutigen, nicht den vorchristlichen), entwickelt hat es sich im Laufe der Zeit zu einer Art gigantischen Festivals, was in seiner Art unvergleichlich ist. Nicht nur, dass während der gesamten Zeit nicht nur Ordnungs- und Einsatzkräfte der Stadt gestellt werden, was für Großveranstaltungen halt nötig ist zu tun, und die Stadt währenddessen auf alle Eintritte verzichtet. Es ist ein Festival ohne Bühnen, ohne Elektronik (von einigen Flutlichtern am Rande der Fläche abgesehen). Die Stimmung kommt von den Menschen selbst. Manche bringen ihre Instrumente mit, vorwiegend Trommel, einer fängt an, die anderen stimmen ein, manche fangen an zu singen, die anderen tanzen oder sehen zu. Kurz vor der Dämmerung schreitet eine Druidenprozession in den Kreis. Später steigt ein geschätzt achtzigjähriger Mann auf einen der Monolithen und spielt sein Saxophon, umjubelt von tausenden von Leuten. Außerhalb des Kreises gibt es diverse Kreise von Menschen, in manchen wird musiziert, gespielt, gesungen, werden Geschichten erzählt. Überall herrscht eine unbeschreibliche Stimmung, die beste, wie ich finde, aber innerhalb des Steinkreises. Lucas hat sich schnell zum Trommler aufgeschwungen, selbst ich habe bei einer der großen Trommeln mitgemacht (ich bin der geborene Trommelhalter). Es lässt sich einfach nicht beschreiben. Inmitten von über 25.000 Leuten feiert man dem Sonnenaufgang entgegen.
Stonehenge ist so konstruiert, dass die Sonne zur Sommersonnenwende im mittleren von drei Toren aufgeht. Dementsprechend begehrt sind die Plätze im Inneren des Kreises, um genau das zu sehen. Um einen Platz zu bekommen, muss man Stunden vorher im Kreis sein, wobei auch dann nicht sicher ist, dass man das Tor auch wirklich sieht. Lucas und ich hätten es geschafft, haben aber entschieden, in so einem Gedränge macht es keinen Spaß und haben schließlich außerhalb des Kreises, auf freiem Feld, den längsten Tag des Jahres erwartet. Obwohl die Feier noch weiterging danach, haben wir uns anschließend zurückgezogen, unsere Sachen geholt und uns auf die Suche gemacht nach einem Schlafplatz. Einem Feldweg folgend käme einige Kilometer entfernt ein Dorf. Vorher sind wir aber in ein Wäldchen abgebogen, haben einen Platz für unser Zelt gefunden und kaum lagen wir drinnen, klopft es draußen an der Plane und ein Bobby sagt, man dürfe dort nicht zelten. Bevor wir aber überhaupt draußen waren, war er schon wieder weg. So hat er seinen Job getan, uns gesagt, wir müssten gehen, aber ich denke, bei Stonehenge drückt selbst ein bobby mal beide Augen zu. Obwohl er weg war, sind wir aber trotzdem abgezogen, haben uns tiefer in den Wald gedrückt und unsere Hängematten rausgeholt. Nach so einer Nacht ist es sowieso so viel stilvoller, in Hängematten zu schlafen.
Gut erholt haben wir uns heute Mittag dann die Gegend angeguckt. Stonehenge ist eben nicht nur ein Steinkreis, sondern der sichtbarste Teil einer gewaltigen Anlage. Überall darum herum gibt es unter anderem Grabhügel. Bis zum Nachmittag haben wir die Zeit in der Landschaft um Stonehenge verbracht. Wer jemals dort hinkommt, diese Zeit sollte man sich definitiv nehmen. Wieder unterwegs zurück nach Stonehenge, dem einzigen Weg zurück zur Straße, haben wir leider einen nicht ganz so schönen Aspekt der vergangenen Nacht gesehen und bis zum Zugang des Steinkreises, inzwischen wieder kostenpflichtig, mehrere Hände voll Müll gesammelt. Wobei man natürlich auch sagen kann, bei mehrere tausend Menschen, die diesen Weg genommen haben werden, hält sich diese Menge wahrscheinlich gut im Rahmen. Die Aufseher haben ihn uns dann abgenommen und als Entschuldigung, uns nicht mit in die Stadt nehmen zu können, zwei Flaschen Wasser gegeben, was uns mindestens genauso willkommen gewesen ist. Zu Fuß ging es dann also Richtung Straße, im Museum und Besucherzentrum konnte man sich frisch machen und ziemlich bald darauf sind wir dann auch weggekommen, zurück nach Salisbury.
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