Besuch

 

Wir haben bekommen und sind zu gewesen. Gekommen sind zwei von Fouads Vettern aus Agadir, Ahmed und Mohammed. Da diese auf ihren Motorrädern gekommen sind, haben wir mit diesen einige von Fouads Verwandten besucht, die tief in den Bergen leben. Grundsätzlich ist es wunderschön, mit dem Motorrad durch den Atlas zu fahren. Unglaubliche Landschaften, atemberaubende Aussichten, rein fahrtechnisch diverses an Abwechslung, von Serpentinen über Gefälle und Steigungen in jedem Winkel ist alles dabei, was man sich zum Motorradfahren nur wünschen kann. Problem ist nur, wenn man hinter jemandem auf der Maschine sitzt, der bergab den Motor auch schonmal ausstellt, sich mit beiden Händen dabei eine Kippe ansteckt, in Haarnadelkurven Überholmanöver liefert, während man parallel die Kippenschachtel rüberwirft etc. pp. Um es vorsichtig zu formulieren, ich habe mich zwischenzeitlich schon wohler gefühlt in meinem Leben.

 

Von solchen Nebensächlichkeiten aber abgesehen, war diese Tour definitiv eine Krönung meiner Zeit hier. Mobil hat man naturgegeben eine wesentlich größere Reichweite als zu Fuß und das Mehr, was ich dadurch sehen konnte, war eine aberwitzige Motorradtour wert. Fouads Familie ist durch die Bank mehr als herzlich, auch wenn die direkte Verständigung bei meinen bescheidenen Arabischkenntnissen und Gesten verblieben ist (ich kann echt sagen, ich habe Arabischkenntnisse, das ist unglaublich :D).

 

Für mich sehr überraschend, konnte ich heute kurzzeitig mein Deutsch mal wieder ausgraben. Ein Kioskbesitzer in einem der Bergdörfer, die wir durchquert haben, hat seit Jahrzehnten eine deutsche Brieffreundin, da sie sich auf Englisch schreiben, sind seine Englischkenntnisse ausgezeichnet, aber im Laufe der Zeit hat er auch diverses an Deutsch gelernt und war sehr froh, es endlich einmal wieder mit jemandem sprechen zu können. Im Süden Marokkos im tiefsten Atlas spreche ich nach Wochen das erste mal Deutsch mit einem Berber, die schönsten Geschichten schreibt das Leben selbst, wie man ja weiß.

 

Wenn wir nicht gerade in Bergdörfern oder bei Fouads Verwandten waren, haben wir versucht, an Tankstellen Benzin zu kriegen. Wie genau das abläuft entzieht sich meiner Kenntnis, es sieht aber ungefähr so aus. Man fährt zu einer Tankstelle, die auch gut als Bauruine durchgehen könnte, wählt eine dort stehende Telefonnummer, wartet anschließend eine gute halbe Stunde und plötzlich funktionieren die Zapfsäulen. Das Geld wirft man dann einfach in den Briefkasten. Irgendwas bei der Geschichte muss ich aber einfach verpasst haben, auch wenn mir auf Nachfrage versichert wurde, so liefe das hier. Zum Abschluss haben wir noch Halt gemacht an einer heiligen Quelle in einer Moschee, einen Liter habe ich in meiner Flasche mitgenommen, um es nach Agadir zu bringen, bis es wieder zurück zum Haus ging. Auf dem Motorrad natürlich.

 

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