Es scheint in Marokko noch eine weitere Art des Taxi zu geben, eine Unterart der Weißen. Während diese feste Strecken innerhalb eines Orten befahren, folgen die Blauen festen Strecken zwischen den Orten. Konkret hieß das heute, mit einem weißen sind wir zur größten Ansammlung von Taxen gefahren, die ich je gesehen habe, haben dort durch einen Fremdenführer (die warten am Anfang des Platzes, fragen nach dem Reiseziel und bringen einen zum richtigen Taxi) unser passendes gefunden und nachdem sich genug Leute gefunden haben, um es zu füllen, ging es los, raus aus der Stadt, raus aus der Besiedelung und nach einem letzten Tankstopp, der gefühlt und auch optisch (ich hab Fotos) den letzten Vorposten vor der Wüste bildet, über zwei Stunden durch eben diese, bis wir auf eine Wüstenstadt gestoßen sind. Wüste ist von der Definition her wahrscheinlich unpassend, da man immer wieder und nicht unhäufig Arten von Vegetation gesehen hat, aber bei dem Anblick hinter dem Fenster kommt einem unwillkürlich dieses Wort in den Sinn.
In der Wüstenstadt, ich habe keine Ahnung von dem Namen, hatten wir einiges an Aufenthalt. Selbst hier gibt es Taxen, Wüstentaxen allerdings. Sie sehen sehr geländetauglich aus und auch generell, wie man sich so ein Wüstenfahrzeug vorstellt. Die Stadt, natürlich mit Markt, war außerhalb der Hauptstraße vom Eindruck her wesentlich bescheidener als diese, das Leben dort scheint den Leuten schon etwas abzuverlangen. Die zwei Welten für die Preise gibt es auch hier, da Fouad mich extra weggeschickt hat um die Vorräte zu besorgen, damit die Händler nicht sehen, dass er mit einem Westeuropäer unterwegs ist und die Preise erhöhen. Westeuropäer sind wohl bekannt hier, aber so wie mich fast jeder anguckt, nicht allzu häufig gesehen auf den Straßen. Im fernsehen allerdings sehr wohl, es scheint hier sehr gute Satellitenschüsseln zu geben. Als wir beide in einem Café auf das Taxi gewartet haben, lief im Fernsehen plötzlich ZDF :D
Wieder raus aus der Wüstenstadt haben wir eben diese verlassen und sind in den Bergen angekommen, den ersten Ausläufern des Atlasses. Nach den ersten Hügeln ging es immer höher rauf und bald Bergstraßen entlang. Da die unglaublichen Aussichten durch die Fensterscheibe nicht allzu gut festzuhalten waren mit der Kamera, hatte ich gefragt, ob ich auf dem Dach mitfahren dürfe, was mit aber leider verweigert wurde, der Fahrer war also anscheinend eine Spaßbremse :D Wäre nicht das erste mal gewesen und dieses Auto hätte sogar Metallstangen gehabt um festhalten, aber er ließ sich nicht umstimmen. Irgendwann sind wir dann angekommen. Wer aussteigen möchte, ruft dem Fahrer das einfach zu, feste Haltepunkte gibt es nicht. Da nicht jedes Dorf dort eine Verbindung zur Straße hat, steigen manche daher mitten in den Bergen aus, um die letzten Kilometer zu Fuß zu laufen. Wir hatten es danach nicht ganz so weit, nach zweihundert Metern zu Fuß waren wir da. Das "Dorf" besteht allerdings lediglich aus einigen Häusern, die mehr oder weniger, eher weniger, in einer Gemeinschaft stehen.
Strom gibt es, fließend Wasser bisher noch nicht, wobei irgendwer dem Haus wohl den Hahn abgedreht hat, Wasserhähne und alles sind da. Es steht aber eine gut gefüllte Wassertonne in der Küche und die Nachbarn haben uns zuerst mit einer Wasserflasche und einem Mittagessen begrüßt. Da die Leute hier lediglich eine der Berbersprachen sprechen, muss selbst Fouad teilweise nachfragen, aber die Lage ist himmlisch, die Leute herrlich, was will man mehr?
Nachdem wir uns eingerichtet haben, haben wir was an Proviant gepackt, Wasser natürlich und ins Gebirge. Von der Straße zweigt ein Pfad ab, der direkt in die Berge führt. Dem mehr oder weniger folgend sind wir irgendwann auf einen Tümpel gestoßen, eingefasst in ein natürliches Steinbecken, und dort auf ein Läuten. Jeder der Heidi kennt, weiß, Läuten in den Bergen heißt Ziegen. So auch hier und am anderen Berghang sind ein paar Dutzend aufgetaucht, begleitet von zwei Welpen und ein paar Hirten und uns beide bald umringend, da alle zusammen genau an uns vorbei wollten.
Vom Tümpel aus fließt ein kleiner Bach und kurz darauf sind wir in ein Wadi abgestiegen (ein nur zeitweise wasserführendes Flussbett) und dem bis zum Sonnenuntergang gefolgt um dann wieder auf den Weg zu stoßen und zum Haus zurückzugehen. Ich würd' sagen, klingt doch nicht schlecht für den ersten Tag in den Bergen :D
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