Geändert hat André seine Pläne, da er unbedingt ein Flugzeug auf diesem Flughafen starten und landen sehen wollte und online gesehen hat, dass heute Mittag die Möglichkeit hierzu besteht. Mein Interesse hieran war zwar nicht so groß wie das seine, aber es ist schon beeindruckend, wenn so ein Ding so nah an dir vorbeirollt. Wie man daran sieht, bin ich augenscheinlich mit ihm mitgekommen zurück nach Gibraltar. Andrew hatte mich eingeladen, noch länger als die Nacht bei ihm zu bleiben, meinen Rucksack konnte ich also dort lassen, und nach dem Flughafen und allem ist André weitergezogen Richtung Malága und ich wieder auf meinen Berg. Jetzt mal ernsthaft, wenn man schon die Gelegenheit hat, den Tag unter Affen zu verbringen und es sich hierbei ausnahmsweise mal um die Tiere handelt, wer sagt dazu nein? Ich bin also wieder auf meinen Berg.
Nachdem ich von gestern bereits wusste, dass es dort oben nur ein überteuertes Tourilokal gibt, habe ich mir diesmal was zu essen mitgebracht. Stilecht natürlich (wobei das eher zufällig war) Bananen. Zu André habe ich noch im Spaß gesagt, es würde sich ja anbieten, dieses Klischee mit den Affen und den Bananen zu ergründen. Jetzt kann ich sagen: es stimmt. Es äußert sich darin, dass ich mich war extra des Revieres dieser Viecher zum Essen niedergelassen habe, aber plötzlich trotzdem welche aus dem Gebüsch springen. Um die anderen zu retten, habe ich denen dann die Banane, die ich gerade gegessen habe, hingeworfen. Dieses Klischee äußert sich außerdem darin, dass dieses Viech die ihm hingeworfene Banane einfach mal vollständig ignoriert hat, derer konnte er sich nun ja sowieso sicher sein, und mich plötzlich anspringt, sich in der Tüte verbeißt, mir dieser schließlich aus der Hand reißt und sich haargenau außerhalb meiner Reichweite niederlässt, um sich über den Inhalt herzumachen. Komme ich zwei Schritte näher, geht er zwei Schritte weiter. Er hat also wirklich genau drauf geachtet, dass ich mir mein Essen ja nicht zurückholen kann. Nachdem dann noch zwei von denen aufgetaucht sind und sich schon untereinander übervorteilen, habe ich mich dann mit Kamera zurückgezogen, um zumindest die Szene festzuhalten, wie sich drei Affen um mein Mittagessen streiten.
Das erste der Viecher war übrigens nicht nur so schlau, dass es sich meiner Reichweite genau bewusst war, es hat, als die beiden anderen kamen, sogar die Schale der ersten, von ihm bereits verspeisten Banane in die Tüte getan, sich die beiden anderen Bananen heraugeholt und die Tüte den beiden neuen hingeworfen, sodass er sich mit den beiden Bananen absetzen konnte, während die zwei Affen sich um die Schale gestritten haben. Sag einmal noch jemand blöder Affe, die Viecher, oder dieses zumindest, ist wesentlich intelligenter als so mancher seiner menschlichen Kollegen.
Da ich für später zumindest noch Kekse hatte (die habe ich dann aber wirklich ganz weit weg geöffnet), bin ich zumindest zufrieden mit den Bildern wieder zurück zum Groß der Meute gegangen, wo ich den überwiegenden Teil meines zweiten Tages hier verbracht habe und abends hat mich Andrew, der beruflich sowieso in Gibraltar war, wieder eingesammelt. Andrew kann man wohl mit Fug und Recht als echten Weltbürger bezeichnen. Gebürtiger Schwede mit einer aus über einem halben Dutzend Ländern stammenden Familie, gelebt und gearbeitet in verschiedensten Ländern für international agierende Unternehmen ist er gerade für eine Bank tätig und hier als Kundenbetreuer für vorwiegend schwedische Kunden, die in Südspanien, Südportugal und natürlich Gibraltar ansässig sind und Wert darauf legen, in ihrer Muttersprache beraten zu werden. Privat ist er ebenfalls sehr viel herumgekommen, da dies beruflich nun nur noch eingeschränkt machbar ist, freut er sich über jeden Couchsurfer, um so zumindest bedingt etwas von dieser Welt mitzubekommen. In seiner neuen Wohnung mit extra Gästezimmer bin ich übrigens der Erste. Gesprächsstoff haben wir also mehr als reichlich.
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