Jaaa, nochmal Affen hier zum Lesen. Aber es sind Affen. Wilde. Herrlich.
Von meiner Treppe aus bin ich geradewegs schnurstracks zur nächsten Bar, habe meinen Rucksack da abgeladen und bin den Berg hoch. Der Weg zieht sich, der Fels von Gibraltar ist nicht umsonst eine der Säulen des Herakles, aber bei dem, was einen oben erwartet, läuft sich das leicht. Als ich mich gerade zu fragen begonnen habe, ob ich mich vll verlaufen habe, da ich nicht mal den Schatten eines Affens gesehen habe oder wenigstens irgendwas gehört oder so, sehe ich gerade noch einen Kopf hinter einer Mauer verschwinden. Durch einen Torbogen durch und rechts rum, sehe ich dann die Treppe, die den Großteil des restlichen Berges hochführt bis hin zum Futterplatz und auf der Treppe, mitten im Weg und den in voller Breite versperrend, sind sie da. 35 Kilo mit Fangzähnen vorne will ich nicht wirklich gegen mich aufbringen, wenn die sich auf ihrer Treppe von mir gestört fühlen sollten, aber da von oben kommende Touris einfach über die drüber steigen, scheint das durchaus der reguläre Weg zu sein. Ich bin also nach einer Fotosession die Treppe hoch, an und über guten anderthalb Dutzend Affen vorbei, bis hoch zum Futterplatz.
Ich könnte hier jetzt, da ich dort einige Stunden geblieben bin, lang und breit von den Affen dort schwärmen, aber ich will hier auch Infos weitergeben und alles, fahre also mal etwas strukturiert vorgehend weiter fort :D
Wie der Name Futterplatz schon sagt, werden die Affen hier gefüttert. Da diese gemeinhin als wild gelten, habe ich einen der Fahrer (die meisten Touris kommen in speziellen Taxen hier hoch, deren Fahrten einmal über den Berg führen) gefragt, warum die Affen gefüttert werden. Da gibt's zwei Antworten, die beide wohl gleiche Gültigkeit haben. Zum Einen hält es die Affen davon ab, runter in die Stadt auf Futtersuche zu gehen. Zwar gibt es auf dem Berg genug zu fressen im Wald und überall, aber wenn man als Affe einen zu großen Selbstbedienungsladen vor der Nase hat, reizt dieser natürlich mehr. Jedes Jahr müssen auch immer wieder welche in der Stadt eingefangen und zurück auf den Berg gebracht werden, teilweise aus Küchen, in die die eingebrochen sind. Die andere Antwort ist, da man diesen Platz selbstverständlich auch anderswo hätte anlegen können, für die Touris. Wenn man mit etwas Geld verdienen kann, wird damit auch Geld verdient, ganz einfache Regel.
Da ich wie gesagt mehrere Stunden dort oben bei den Affen war (auf dem Berg selbst den ganzen Tag), konnte ich auch wunderbar die Touris beobachten. Die Fahrer, die ja jeden Tag da sind, gehen wirklich kumpelhaft mit den Tieren um, die haben für jeden einzelnen Namen und erkennen die Individuen. Wunderschön zu erkennen ist deren Umgang mit den Affen an einer Gedenkplakette für Michael. Michael war der älteste Affe in Gibraltar und nach dessen Tod haben die Taxifahrer ihm zum Gedenken eine Steintafel angefertigt, die dort eingelassen ist. Dass die Fahrer allzu dreiste Affen, die auch gerne mal in die Autos springen, wenn sie die Möglichkeit finden, verscheuchen, ist verständlich, oder, wenn sie sich auf der Straße breitmachen, hupend näher rollen, bis sie diese räumen, da sie die Affen grundsätzlich gut behandeln. Bei manchen der Touristen wäre ich am liebsten mal genauso mit denen umgegangen, wie die mit den Tieren. Die kommen her, fassen oder stupsen die an, wollen die streicheln und wenn der Affe, nachdem er das dritte Mal weggegangen ist, beim vierten mal die Hand wegschlägt (wohlgemerkt mit der Pfote wegschlägt, nicht beißt oder zumindest mal zuschnappt), wundern und ärgern die sich und schlagen ihn weg. Oder wenn die ankommen und sich einen Affen schnappen wollen, um den auf die Schulter zu setzen. Und sowas sind noch die harmloseren Fälle. Teilweise marschieren die auch mitten auf den Futterplatz oder in Gebiete, die so unglaublich offensichtlich nur für die Affen sind, mit Mauern teilweise sogar für Menschen unzugänglich gemacht, und posieren da für Fotos, werfen danach noch ihren Müll dahin, da könnte ich kotzen. Was mich an den Fahrern stört, ist, dass die wenigsten mal was sagen zu ihren zahlenden Kunden. Nur wenn mal eine der Gelben Westen (einer der Aufpasser dort) kommt, pfeifen die die Touris zurück, was leider viel zu selten der Fall ist.
Gibraltar gilt, wie oben kurz erwähnt, als eine der beiden Säulen des Herakles (die römische Bezeichnung Herkules ist geläufiger, ich bevorzuge die griechische Variante). Mit ihrem Gegenstück, einem der Berge gegenüber in Marokko (welcher genau ist strittig) spielte der Berg nicht nur eine wichtige Rolle in der, vorwiegend griechischen, Mythologie, sondern auch während der gesamten Geschichte bis in die Neuzeit. Hier lebten die letzten Neandertaler, hier begann die maurische Eroberung der Iberischen Halbinsel, wovon auch heute noch der Name Gibraltar zeugt, nach dem damaligen Heer- und Herführer Tarik, hier fanden selbst im Zweiten Weltkrieg noch einige wichtige Schlachten statt und unzählige andere bis dahin. Die unzähligen Tunnel im Felsen zeugen von diesen. Darüber hinaus stellt Gibraltar jedes Jahr aufs Neue eine wichtige Anlaufstelle für Millionen von Zugvögel dar auf ihren Wegen von und nach Afrika, bis zur Überfischung gab es unzählige Arten von Fischen und verschiedenste Walarten etc. Die Affen übrigens sind heutzutage zwar wild (oder sagen wir semiwild), wurden aber ursprünglich von den Berbern aus Algerien als Haustiere mitgebracht. Zwar gab es, wie Fossilfunde zeigen, auch in Europa früher Affen, aber diese sind, Genuntersuchungen an den Makaken haben dies bestätigt, ausgestorben, somit sind die Affen in Madagaskar keine Nachfahren von diesen, wie früher mal gedacht wurde. Die Affen sind übrigens Berberaffen und Makaken und stammen heute nur noch teilweise aus Algerien. Eine alte Legende besagt, dass Gibraltar solange in britischer Hand sein wird, wie noch Affen auf dem Berg leben (sie haben wohl irgendwann mal vor einem spanischen Angriff gewarnt, vergleichbar mit den Gänsen des römischen Kapitols) Churchill hat deshalb nach dem Zweiten Weltkrieg Berberaffen aus Marokko einführen lassen, um die durch Inzucht bedrohten Bestände in Gibraltar zu retten. Das hat geklappt, wie man sieht.
Ebenfalls aus Churchills Zeit stammen die Great-Siege-Tunnels auf dem Berg und die 100-Tonnen-Kanone, neben der Altstadt mit einer Glasbläsermanufaktur, der Marina und dem Flughafen, über dessen Rollfeld die Hauptstraße läuft weitere Sehenswürdigkeiten Gibraltars außerhalb des Nationalparks. Alles ganz nett soweit, aber mein Augenmerk und primärer Aufenthaltsort heute war bei den Affen. Da ich im Gegensatz zu den anderen Touris so lange da war, hatte ich erfreulich lange Phasen, in denen ich alleine da war, nur die Affen und ich. Mit einem Trick, den ich mir bei den Taxifahrern abgeguckt habe und viel Geduld, nachdem sie sich an mich gewöhnt hatten, sind sie irgendwann auf mich zugekommen. Einige haben das Bild, auf denen gleich drei kleine auf mir herumklettern, ja schon bekommen :) Sollten einige jetzt denken, wie ich mich eben noch ereifert habe über die Touris und wie manche mit den Affen umgehen: für mich ein Unterschied wie Tag und Nacht ist, dass ich nie auf die Affen zugekommen bin, sondern immer darauf gewartet habe, dass die Affen auf mich zukommen. Natürlich reizt es ungemein, zu einem Jungtier hinzugehen und es zu streicheln, aber von meinen bereits angebrachten Einwänden hier abgesehen ist es auch dazu noch viel schöner, wenn eines dieser Tiere zu dir kommt. Weniger schön wird es dann aber, wenn zu den dritten noch ein vierter kommt und alle vier anfangen, sich auf dir zu kebbeln :D
Ein anderes Highlight heute neben den Affen war der Rest des Berges. Ähnlich wie in Sintra darf man hier fast überall hin. Ausnahmen sind zwei militärische Sperrgebiete, aber selbst alte Gebäude, die wohl mal als Verteidigungsanlage und Kaserne gedient haben, sind einfach frei erkundbar. Da die so angelegen sind, war ich nicht nur der einzige dort, sondern es gab nicht einmal Spuren anderer Menschen oder Abfall. Noch besser als dort hat es mir gefallen, über den Berg zu gehen, wo man auf einen Weg stößt, der haargenau durch eine Gegend führt, die dem gleicht, wie ich mir den Dschungel vorstelle oder den Fußweg nach Machu Picchu. Und auch hier ist mir während eines knapp einstündigen Marsches niemand begegnet, nur ich und der Dschungel.
Zurück bei den Affen habe ich dann als nette Abwechslung dazu gleich wen kennengelernt. Der Artikel hier ist nicht ganz chronologisch, das Foto mit den Affen auf mir hat nämlich André geschossen, den ich erst jetzt getroffen habe. Als die auf mir drauf waren, habe ich den einzigen anderen Menschen, der außer mir anwesend war, gebeten, ein Fotos zu machen. Nachdem ich mich revanchiert habe, die Affen sind später auf ihn rübergesprungen, hat sich ein nettes Gespräch entwickelt, er ist ein Münchener Feuerwehrmann, begeisterter Reisender und hat dafür den idealen Job gefunden. Man hat jeweils eine Woche Bereitschaft, d.h. man wohnt währenddessen in der Wache, und eine Woche frei, zusätzlich natürlich zu den generellen Urlaubstagen. Da auch die Bezahlung passt, der ideale Job zum Reisen.
Um jetzt aber mal zum Ende zu kommen, auch wenn ich leicht noch länger fortfahren könnte mit vielem sogar, wo schreibe ich denn gerade? Wie ich ja gestern bereits festgestellt habe, ist es in Gibraltar, bedingt durch den nur bedingt vorhandenen Platz, schwierig, irgendetwas für die Nacht zu finden. Meine Treppe hätte mir zwar wieder zur Verfügung gestanden, aber, nicht das erste Mal, dass ich das sage, öfter mal was Neues und heute es dieses neue sogar eine Premiere. Couchsurfing funktioniert. Die Schwierigkeit, Couchsurfing als Tramper zu nutzen, habe ich bereits mehrfach erklärt. Auch gestern habe ich es versucht, auch gestern hat es nicht funktioniert. Aber: heute schon. Auf meine gestrige Anfrage antwortend hat sich in der Nacht noch, nur hatte ich unter meiner Treppe kein Wlan, Andrew gemeldet. Und heute morgen gleich nochmal, da er gemerkt hat, dass ich in der Nacht augenscheinlich nicht mehr reagiert habe, hat er mir als Entschädigung, dass es nicht geklappt hat, ein Frühstück angeboten. Wohlgemerkt, er hat mir ein Frühstück angeboten, weil ich mich zu spät gemeldet habe, als dass er mich noch hätte zu sich einladen können. Ich denke, ihn könnte man durchaus als Definition von großzügig hernehmen.
Da ich heute morgen keinen Gedanken an Wlan verschwendet habe, habe ich diese Nachricht erst am Abend gesehen, als ich mit André unterwegs zu seinem Auto war. Er hat sich in Malága in einem Hostel einquartiert und war nur als Tagestourist nach Gibraltar gekommen. Da Andrew mir seine Handynummer mitgeschickt hat, haben wir kurz geschrieben und der Plan für den Abend stand. Mit André zum Treffpunkt, mit Andrew zu sich. Kurz nachdem wir uns getrennt hatten, hat André seine morgigen Tagespläne geändert und Andrew hat ihn ebenfalls eingeladen. Wie gesagt, die definierte Großzügigkeit.
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