Alles außer gewöhnlich

 

Wunderschönes Lissabon. Eine herrliche Stadt, historische Gebäude neben modernen Bauten, an einem Fluss direkt am Meer und den Werbeagenten läuft man hier direkt in die Arme.

 

Ich bin, muss man so sagen, keine alltägliche Erscheinung. Wenn ich unterwegs bin mit Rucksack und allem sowieso, aber auch in den Städten auf Sightseeing. Hut, meistens Weste (heute allerdings getauscht gegen Jacke), lange Haare, meine Tasche, momentan noch dazu stilecht mit Bart... Ich falle auf. Wo ich meistens nichts gegen habe, war es heute sogar ein echter Glücksfall. Flanierend auf den Straßen Lissabons wurde ich heute von einem Werbeagenten von Quickcasting anqesprochen, auf der Suche nach Schauspielern für eine Bierwerbung für Osteuropa. Nach einem kurzen Gespräch, was Quickcasting ist, was es macht und über die Werbung gab es ein, wie der Name der Agentur schon sagt, Quickcasting, bestehend aus Fotos und Videos mit verschiedenen Ausdrücken und Emotionen meinerseits und einer kurzen Videovorstellung, wer ich bin, was ich mache etc. Je interessanter, desto besser, ich denke, mit meiner Geschichte dürfte ich punkten :D Bedingung, wenn man ausgewählt wird (ich bin jetzt natürlich noch nicht in der Werbung, sondern der Regisseur kriegt jetzt die Aufnahmen präsentiert und wählt sich seine Schauspieler aus) ist, dass man am 15. diesen Monats in Lissabon sein können muss, aber als Tramper dürfte ich mir da freinehmen können :D

 

Zu Lissabon selbst, schon aufgrund ihrer Geschichte ist es eine lohnenswerte Stadt. Was sie am meisten geprägt hat war das große Erdbeben von 1755. Den großen Exkurs erspare ich euch, kurz gefasst wurde fast die gesamte Stadt zerstört, einerseits durch das Beben selbst, größtenteils allerdings danach durch ausbrechende Feuer und den durch das Beben ausgelösten Tsunami. Beim anschließenden Wiederaufbau wurde die Stadt bewusst geplant angelegt, anders also als nach dem Dritten Lenneper Stadtbrand 1746. Bzw. auch Lennep wurde damals bewusst geplant angelegt, allerdings hat man bewusst den mittelalterlichen Grundriss nachgebaut, der ungeplant entstanden ist. Über Lennep könnte ich hier jetzt sehr ausführlich referieren, aber ich schweife ab.

 

Da in Lissabon 85 Prozent der alten Gebäude zerstört wurden, finden sich relativ wenige wirklich alte Gebäude hier. Solange ich als ausgewiesener Geschichtsfan nicht darüber nachdenke, was der Menschheit damals alles verloren gegangen ist, habe ich damit aber keinerlei Problem, auch das "moderne" Lissabon ist mehr als sehenswert und, besonders schön, zu vielen historischen Gebäuden gibt es zweisprachige Infotafeln. Von denen könnte es ruhig noch einige mehr geben, aber auch das hiervon bereits bestehende Netz ist sehr gut gemacht.

 

Sollte jemand ein Gespräch oder eine Beratung über sehenswertes in Lissabon wünschen und nicht das Internet bemühen wollen, kann man mich gerne anschreiben oder visavi ansprechen, wenn ich mal wieder in Deutschland bin (oder wo auch immer du so unterwegs bist :)), hier klammere ich den Teil aber aus. Mit Reiseberichten, -broschüren,- -magazinen etc., deren Ziel es ist, darüber zu informieren, ist euch grundsätzlich besser, wenn ihr sowas wissen wollt, diese Tipperei tue ich mir deshalb nicht an, wenn es sich um bekannte Orte handelt. Was ihr allerdings in keinem Reisemagazin finden werdet: ich ziehe wieder weiter.

 

Was ich nicht wusste, als ich eingeladen wurde, ist, dass die Wohnung zwar gestellt wird, die Verhaltensregeln aber besagen, dass man keine Übernachtungsgäste haben sollte. Mir liegt nichts ferner, als dass ich den beiden Schaden wollte, morgen breche ich also auf zum Capo de Roca. Aber nachdem ich den Tag heute in Lissabon verbracht habe und den Abend erneut mit Weli und Sabine (wart ihr mal in einem portugisieschen Supermarkt? Global gesehen ist es ein Katzensprung nach Deutschland, aber bei uns gibt es nicht nur bezahlbare Nüsse, ich habe auch noch nie ein verpacktes Ferkel im Tiefkühlfach liegen sehen oder ganze Tintenfische eingeschweißt), ich bin also vollauf zufrieden damit, weiterzureisen.

 

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