Reisenation Nummer 1

 

Da reist man durch ganz Europa und trifft doch überall Deutsche. Aktuell heißt das: Guten Abend Weli und Sabine!

 

Irgendwann nach dem letzten Artikel ging es dann doch wieder weiter und dafür dann gleich nonstop durch bis in die Innenstadt Lissabons. Hier habe ich mir erstmal, wie üblich, einen ersten Eindruck der Stadt verschafft, hatte sofort, bis ich die beiden getroffen und die Idee wieder verworfen habe, einen Titel für den Artikel hier im Kopf und habe danach erstmal vor einem Starbucks Station bezogen weil wegen Wlan.

 

Hier hat mich dann ein Mädel angesprochen, nach dreimaligem Anlauf in jeweils verschiedenen Sprachen beim vierten Mal dann auf Englisch. Sie warte auf einen Freund, der nicht auftauche, ob sie mal mein Tablet benutzen dürfe. Wie sich im Gespräch dann herausgestellt hat, hat Louise ein Auslandssemester hier in Lissabon verbracht, ist nun zum Freundesbesuch wieder hier, allerdings mit streikendem Handy. Ich bin also nicht alleine auf der Welt mit den Macken dieser Mistdinger, ich kenne das Problem ja zur Genüge. Nach meinem Tablet hat sich deshalb gefragt, um via Facebook zu fragen, wo ihr Freund gerade steckt. Kreativ das Mädel, gute Idee. Als Tiago dann schließlich aufgetaucht ist, wurde ich gleich eingeladen, mitzukommen.

 

Zu dritt ging es dann also quer durch Lissabon. Da Tiago hier aufgewachsen ist und Louise ein halbes Jahr hier gewohnt hat, hatte ich diesmal gleich zwei erfahrene Stadtführer dabei und irgendwann später wurde ich dann eingeladen, mitzukommen in ein illegales chinesisches Restaurant. Klingt spannend, ich bin dabei.

 

Besagtes Restaurant ist eines von vielen dieser Art und serviert wirklich landestypisches chinesisches Essen. Das zwangsweise, da man quasi im Wohnzimmer einer Privatfamilie sitzt. In diesem sind ein gutes Dutzend Tische zusammengepfercht, die Kinder sind die Kellner (Kinder gleich Jugendliche, schätzungsweise 16) und die Eltern kochen. Da das ganze Unternehmen nicht angemeldet ist (bzw. sei, bei dieser Größe kann ich mir nur schwer vorstellen, dass der Staat nichts davon wüsste), muss man schon wissen, wo es ist. Ähnlich wie bei der Party in Belgien, nur dass man sich hier in einem ganz normalen Wohnhaus befindet.

 

Später am Abend ist Louise wieder zurück in ihr Hostel, Tiago noch weiter zu einem Freund und ich habe wider einmal vor der Aufgabe gestanden, einen guten Platz für die Nacht zu finden.

 

Zelten würde sich in Lissabon recht schwierig gestalten. Die Grünanlagen, die es gibt, eignen sich definitiv nicht dazu und der nächste größere Park wäre ein gutes Stück außerhalb des Stadtzentrums. Da ich insofern recht bequem bin, als dass ich morgens nur ungern x Kilometer laufen müsste, bis ich ebenda wieder bin, versuche ich das möglichst zu vermeiden. Offene Gebäude ala McDonalds, die 24h geöffnet haben, gibt es auch nicht. Wie das bei mir aber eben so läuft, habe ich irgendwann auf der Straße schließlich gefunden, der zwar auch keinen Park oder ähnliches kannte, mich aber zu sich auf die Couch eingeladen hat. Unterwegs nach da hat er diverse Male an verschiedenste Stellen ein Buchstabenkürzel geschrieben, das er mir auf Nachfrage übersetzt hat als "Animals of the Street". Um die zwanzig Minuten von seiner Wohnung entfernt hat er dann einen Anruf bekommen, dass die "Mission" vorverlegt worden sei. Da er komplett dunkel gekleidet war und eine interessant aussehende Tasche über dem Arm hatte, tippe ich auf irgendwas mit Graffiti. Wie dem auch sei, da er sofort los musste, hatte sich alles weitere erledigt und ich bin wieder zurück Richtung Innenstadt gegangen. Hier bin ich dann schließlich auf Weli und Sabine gestoßen.

 

Wenn man bei irgendeinem Problem, sei es seinem Handy oder Computer, mit seiner Bank oder seiner Krankenkasse, seiner Telefongesellschaft oder wo auch immer, alleine nicht weiterkommt, schreibt man eine Mail an die Betreffenden oder, will man eine schnelle Antwort ruft man in deren Callcenter an. Für uns als Anrufer stellt sich das dann so dar, dass einem entweder direkt geholfen wird, dass man weiterverbunden wird der einen Rückruf bekommt. Wie auch immer, im Idealfall ist einem anschließend geholfen, nachdem man kostenlos eine 0800er-Nummer gewählt hat. Da kostenlos telefonieren aber nur eben für uns kostenlos ist, weil die Unternehmen aus Kulanz die Kosten für uns übernehmen, versuchen diese, ihre damit verbundenen Ausgaben verständlicherweise so gering wie möglich zu halten. Hier kommt dann das schon bei den Simpsons vorgestellte "Outsourcing" ins Spiel. Eine Firma beauftragt eine andere, hierauf spezialisierte Firma damit, deren Callcenterdienste zu übernehmen. Die Mitarbeiter dieses anderen Unternehmens werden entsprechend geschult, mit den Anfragen der Kunden umzugehen. Diese Subunternehmen versuchen wiederum natürlich auch, Kosten zu sparen, und verlegen ihre Büroräume in andere Länder mit durchschnittlich geringeren Löhnen als beispielsweise Deutschland. D.h. wenn du in Deutschland bei deiner Telefongesellschaft anrufst, weil du ein Problem mit deinem Handy hast, kann es sein, dass dein Anruf in Marokko landet. Rufst du zehn Minuten später nochmal an und hast einen anderen Mitarbeiter am Apparat, handelt es sich dabei war um einen Kollegen deines ersten Gesprächspartners, was aber nicht heißen muss, dass die beiden sich kennen, geschweige denn jemals gesehen haben, da dein Anruf jetzt irgendwo in Portugal gelandet sein könnte. In Lissabon zum Beispiel.

 

Alles oben Geschriebene könnte ich noch weiter ausführen, da mir gerade zwei Experten gegenübersitzen, die mir erstmals erklärt haben, wie dieses System überhaupt funktioniert. Weli und Sabine arbeiten beide für ein solches Subunternehmen. Die Bezahlung ist für portugiesische Verhältnisse sehr gut, die Unterkunft ist inklusive und man lebt in Lissabon. Sobald die beiden die Möglichkeit hatten, hieß es Koffer gepackt und los. Wer von euch ist neidisch? :D

 

Getroffen haben wir uns wie gesagt einfach auf der Straße. Ich war zufällig da langgelaufen, weil ich doch keine Unterkunft gefunden hatte und es mich wieder ins Stadtzentrum gezogen hat, die beiden haben noch eine Extrarunde durch diese Straße gedreht, anstatt direkt nach Hause zu gehen. Auch nur eine andere Entscheidung von einem von uns, und wir hätten uns nie getroffen, dass berühmte Spiel des Lebens. Irgendwann hatte ich das sogar mal als Überschrift :D

 

Nachdem wir uns die ersten Minuten auf Englisch unterhalten haben, haben wir bei der Frage nach der Herkunft gemerkt, dass wir jeweils aus Deutschland kommen, einen deutschen Akzent hat also schonmal keiner von uns :D Nachdem ich dann versichert habe, dass ich kein psychopathischer Mörder bin (wieso stellt man mir die Frage eigentlich immer wieder, ihr wart bei weitem nicht die ersten), haben sie mich dann quasi eingepackt und mit zu sich nach Hause eingeladen, wo wir gerade noch am Küchentisch sitzen und quatschen. Den beiden hatte ich es bereits gesagt, ich genieße es unglaublich, zwei so angenehme Gesprächspartner gefunden zu haben. Da es echt was her ist, dass ich ein wirklich schönes, gutes Gespräch geführt habe, mache ich hier jetzt mal Schluss und genieße es, den Abend mit den beiden gemütlich ausklingen zu lassen.

 

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