Ups...

 

Wenn ich in Städten unterwegs bin, versuche ich zuallererst, einen Platz für meinen Rucksack zu finden. Nach Möglichkeit frage ich in irgendeiner Bar nach, einem Restaurant oder irgendeinem anderen Laden, der möglichst lange geöffnet hat. Wenn das nicht klappt, suche ich nach einer anderen Möglichkeit der Unterbringung, in Luxemburg beispielsweise gut versteckt neben der Kathedrale. Hat den ganz praktischen Hintergrund, dass ich schlicht und ergreifend keine Lust habe, mit diesem Monstrum den ganzen Tag herumzulatschen, wenn's denn nicht sein muss.

 

Nachdem ich die Nacht durchgefahren bin, morgens um fünf Uhr in Wien aufgeschlagen war und nach Öffnung der Geschäfte lange vergeblich versucht hatte, meinen Rucksack abzustellen, habe ich hinter einem großen Gebäude eine kleine Baustelle gefunden, abgeschirmt von der Stadt und mit einem wunderbaren Steinaushub, ideal um meinen Rucksack dahinter zu verstecken. Problem gelöst. Was ich allerdings nicht wusste: dieses Gebäude war die Albertina und bei ihrer Albertina verstehen die Österreicher keinerlei Spaß. Um es kurz zu machen, ich habe anscheinend einen riesigen Polizeieinsatz ausgelöst, mit Bombenentschärfungskommando und allem, was dazu gehört. War bestimmt ganz großes Kino, nur da ich zu der Zeit leider in Wien unterwegs war, habe ich davon nichts mitbekommen. Als ich dann aber abends zurückkam, um meinen Rucksack abzuholen, war er weg und damit so ziemlich alles, was ich an Ausrüstung so mit mir führe...

 

Zu dem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, dass ich meinen Rucksack an der Rückwand des Museums mit einer der bedeutendsten grafischen Sammlungen der Welt platziert hatte, d.h. ich musste davon ausgehen, er wäre geklaut worden. Da jammern da nicht mehr viel nutzt, habe ich mich umgesehen und bald einige mehr oder weniger versteckte Kameras gefunden. Nach kurzer Recherche in den umliegenden Häusern landete ich dann schließlich im Foyer der Albertina, wo ich darum bat, mir die Kameraaufzeichnungen des Tages ansehen zu dürfen. Auf die Nachfrage des Wachmannes, warum, konnte er mir sagen, dass mein Rucksack nicht geklaut wurde, sondern dass ich diesen zwei Straßen weiter auf der Polizeiwache fände, da er eine potenzielle Bedrohung für einen der Nationalschätze des Staates dargestellt habe. Wie gesagt, ganz großes Kino.

 

Auf der Wache dann war die Sache aber recht harmlos. Ich musste mich ausweisen, klar, und beweisen, dass es mein Rucksack war, damit war die Sache gegessen. Da auf der Baustelle kein Schild hing, dass das Betreten verboten sei und es grundsätzlich nicht verboten ist, seine Sachen irgendwo abzustellen, ich keinen Einfluss darauf habe, wenn irgendjemand überreagiert, hatte die Sache für mich keine Konsequenzen und ich konnte gehen.

 

Gehen heißt in diesem Fall, zu Hoa, mit dem ich zwischenzeitlich geschrieben hatte um zu sagen, es wird später. Eine Bekannte von mir hat mal in Wien studiert und noch immer Freunde in der Stadt, sodass sie mir jemanden vermitteln konnte, um dort die Nacht zu verbringen. Ich bin jetzt gerade also ein Stück außerhalb der Innenstadt, wiedervereint mit meinen Sachen und gucke, was der morgige Tag so bringen wird. Öfter mal was Neues.

 

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