Der Bus ist da...

Eines der vielen Highlight in Venedig, bedingt durch diese einzigartige Lage, sind die Busse. Ich kann nicht sagen, wie viele Linien es gibt, aber genug, um die Stadt und die umliegenden Inseln flächendeckend zu versorgen. Wer sich erinnert, die Stadt ist ohne Autos, ich rede von den bereits erwähnten Wasserbussen.
Gestern habe ich nach langem Suchen schließlich doch noch eine Touriinfo gefunden. Eine Stadt wie Venedig, mit jährlich Millionen von Touristen, sollte wirklich daran denken, mehr davon einzurichten und die wenigen bis dahin besser oder überhaupt einmal auszuschildern. Mit den Markierungen auf meiner alten Karte, was zu sehen sich so lohnt -auch bei der Info kosten eine Karte drei Euro- bin ich heute Morgen also losgezogen und nachdem ich die eine Seite der Stadt durchstreift habe, lag die nächstgelegene Markierung auf der anderen Seite Venedigs. Ein Mann, der gerade eine der Haltestellen verlassen hat, scheint dies bemerkt zu haben und hat mir kurzerhand sein nicht mehr benötigtes, aber noch gültiges Ticket geschenkt, sodass ich den Bus nehmen kann, die Stadt zu umfahren. An der Haltestelle also wartend, die richtige Linie kennend, ist mir seit heute sehr deutlich bewusst, dass es nicht immer ausreicht, die richtige Richtung zu kennen, um den richtigen Bus zu finden. Die Besonderheit Venedigs, der Lagunenstadt, liegt in den diversen Kanälen. Um nicht nur um die Stadt herumzufahren, fahren die Wasserbusse natürlich auch durch diese hindurch. An meiner Haltestelle war es offensichtlich so, dass der Bus in die richtige Himmelsrichtung der falsche ist, der er zwar in entgegengesetze Richtung hier anfährt, dann aber einen Schlenker durch einen Kanal macht und dort wiedr zurückfährt. Steigt man also nicht in den Bus in die entgegengesetzte Richtung, der später in die richtige Richtung fährt, sondern in den in die richtige Richtung, fährt man eigentlich in die entgegengesetzte Richtung. Ein einfaches Schild hätte genügt, das zu erklären, aber auf diesen Gedanken kam anscheinend bisher keiner. Wie dem auch sei, ich saß im falschen Bus.
Die zweite Besonderheit Venedigs ist die Lage der Stadt. Die Lagunenstadt Venedig wird nicht nur durch Kanäle geteilt, sondern erstreckt sich über eine riesige Fläche des Meeres und verschiedene Inseln. Mit Venedig ist immer die Hauptinsel gemeint, und neben Murano, der Insel der berühmten Glasbläser, gibt es Burano, Torcello, mit dem ältesten Teil der Stadt, und neben einigen anderen Inseln auch noch Lido. Falscher Bus, schön und gut, kann mal passieren. Ich war auf der falschen Insel.
Nun gut, kann mal passieren. Darüber, dass ich ohne einen Cent in der Tasche auf einer Insel der Adria war, dachte ich erstmal nicht weiter nach, sondern nutzte die gezwungene Gunst der Stunde, mir eben diese Insel anzusehen. Eine schöne Stadt, ein faszinierender Lost Place, ein ehemaliges Krankenhaus auf riesigem Gelände mit diversen Gebäuden, ein weitläufiger Wald, ewiglange Strände, der Unterschied Lidos und des vollkommen verbauten Venedigs ist vollkommen. Den Tag auf Lido konnte ich also doch sehr genießen, stand aber abends vor dem Problem, die Insel wieder zu verlassen. Ohne Geld für ein Ticket und an der Endstation der Busse ohne die Möglichkeit, ein Ticket für die Weiterfahrt zu bekommen, so wie es mich hierherverschlagen hat, habe ich nach Erkunden des richtigen Terminals festgestellt, dass die Schranken zum Zugang, wenn man sich diesen während des Schließens nähert, nachdem eine Person hindurch ist, wieder öffnen, sofern man schnell genug ist. Zu schnell sollte man allerdings nicht sein, um die Person, die die Schranke mit ihrem Ticket geöffnet hat, nicht zu belästigen. Mit meiner (nutzlosen, da nur Venedig gezeigt wird) Karte in den Händen, den den richtigen weg suchenden Touri mimend, habe ich mich also den Schranken genähert, gewartet, bis jemand eine öffnet und den richtigen Moment abgepasst, sich durch diese hindurchzumogeln. Anschließend natürlich mit Karte vor Augen weiterlaufend, damit, sollte ich aufgefallen sein, nicht sofort gedacht wird, ich hätte mich bewusst durchmogeln wollen, sondern wäre einfach in die Karte vertieft gewesen.
Nicht das Wahre, aber es hat funktioniert und mit dem nächsten Bus konnte ich die Insel wieder verlassen. Da es inzwischen Dunkel war, die Dämmerung habe ich von einem weit ins Wasser hineingebauten Leuchtturm aus der Insel und schließlich den Strand entlangschreitend erlebt, konnte ich den fantastischen Anblick erleben, den Venedig bei Nacht vom Wasser aus bietet.

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